Krankenhausgesellschaft rechnet mit Insolvenzwelle

Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist angespannt. Die meisten Klinikbetreiber erwarten für das nächste Jahr eine Verschlechterung der Situation.

Die Krankenhäuser stehen vor großen finanziellen Problemen
Die Krankenhäuser stehen vor großen finanziellen ProblemenIMAGO/Rainer Weisflog

Nur sechs Prozent der Krankenhäuser in Deutschland beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut. Lediglich 20 Prozent erwarten für das Jahr 2022 ein positives Jahresergebnis, und mehr als jedes zweite Krankenhaus (56 Prozent) geht für das Jahr 2023 von einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage aus, wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) unter Verweis auf eine Befragung der Allgemeinkrankenhäuser in Deutschland in Berlin mitteilte. Zuerst hatte das Redaktions-Netzwerk Deutschland berichtet.

„Die schon vor einigen Monaten prognostizierte Insolvenzwelle rollt jetzt an. Der Schaden für die Versorgung wird 2023 in vielen Regionen sichtbar werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß. Die von der Bundesregierung angekündigten Finanzhilfen zum Ausgleich von Energiepreissteigerungen könnten das strukturelle Defizit nicht ausgleichen.

Strukturelles Defizit

Gaß kritisierte den von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigten Vorrang der Medizin vor der Ökonomie als ein leeres Versprechen. „Auch im kommenden Jahr werden die Kosten der Krankenhäuser doppelt so schnell steigen wie die staatlich festgelegten Preise. Das strukturelle Defizit wird sich dann auf rund 15 Milliarden Euro summieren.“

Ein weiteres ungelöstes Problem sei die Finanzierung der Klinikinvestitionen. Die Bundesländer kämen ihrer gesetzlichen Verpflichtung, den Krankenhäusern die Investitionskosten zu finanzieren, schon seit Jahrzehnten nicht nach. Nach dem sogenannten Krankenhaus-Barometer, einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI), lag die Investitionssumme der Häuser 2021 bei 6,8 Milliarden Euro. Aus öffentlichen Fördermitteln stammten davon lediglich 47 Prozent.

Pflegekräfte sind Mangelware

Weiterhin besorgniserregend sei die Personalsituation in den Kliniken, vor allem in der Pflege. Zur Jahresmitte 2022 hatten laut Gaß fast 90 Prozent der Krankenhäuser Probleme, offene Pflegestellen auf den Allgemeinstationen zu besetzen. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der offenen Pflegestellen um 43 Prozent auf den Allgemeinstationen und um 20 Prozent in der Intensivpflege gestiegen. Im Schnitt blieben die Pflegestellen rund ein halbes Jahr unbesetzt.

Die Ergebnisse des Krankenhaus-Barometers 2022 beruhen nach den Angaben auf einer schriftlichen Befragung zugelassener Allgemeinkrankenhäuser ab 100 Betten in Deutschland. Beteiligt hätten sich von Mitte April bis Ende Juni insgesamt 309 Krankenhäuser.