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Kosten für Heimbewohner steigen weiter stark an

Heimbewohner müssen in Deutschland immer mehr aus eigener Tasche zuzahlen. Dabei unterscheiden sich die Kosten je nach Region deutlich.

Wer im Pflegeheim lebt, kann das nicht allein durch die Pflegeversicherung bezahlen. Bewohner müssen einen erheblichen Anteil zuzahlen – und diese Summe wächst Jahr für Jahr. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt Fakten und Zahlen.

Der Umzug ins Pflegeheim bringt auch große finanzielle Belastungen mit sich. Einen Pauschalpreis gibt es nicht. Nach den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) müssen Heimbewohner zum 1. Januar 2026 im Bundesdurchschnitt für das erste Jahr in einer Einrichtung 3.245 Euro im Monat aus eigener Tasche zahlen. Das waren monatlich 137 Euro mehr als noch zum 1. Juli 2025 und 261 Euro mehr als Anfang vergangenen Jahres. Die zeitgleich von der AOK veröffentlichte Statistik geht von durchschnittlich 3.204 Euro für das erste Jahr aus.

Pflege kostet immer auch Geld aus der eigenen Tasche. Anders als bei der Krankenversicherung, die im Normalfall für alle notwendigen Kosten zur ärztlichen Versorgung aufkommt, übernimmt eine Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten; sie wird auch oft als Teilkasko-Versicherung bezeichnet.

Die von den Pflegebedürftigen zu tragenden Eigenanteile setzen sich aus drei Komponenten zusammen: Den größten Teil macht der sogenannte einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) für die pflegerischen Kosten (inklusive Ausbildungskosten) aus. Aktuell sind das 1.685 Euro im ersten Aufenthaltsjahr. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung (aktuell 1.046 Euro) und die Investitionskosten von 514 Euro, die für alle Pflegeheimbewohnenden in einer Einrichtung – unabhängig von der Aufenthaltsdauer – gleich hoch sind.

Gründe sind nach Angaben der Krankenkassen die gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten, aber vor allem die höheren Löhne der Pflegekräfte. Seit September 2022 werden sie nach Tarif bezahlt.

Nein, es gibt erhebliche regionale Unterschiede. Laut vdek ist derzeit ein Heimplatz im ersten Aufenthaltsjahr in Bremen mit 3.637 Euro und im Saarland mit 3.601 Euro am teuersten. Am niedrigsten war die monatliche Belastung in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen mit je 2.903 Euro. Laut AOK-Auswertung ist NRW mit durchschnittlich 3.528 Euro am teuersten und Sachsen-Anhalt mit 2.661 Euro am günstigsten.

Weil immer mehr Bewohner die Kosten nicht selber tragen können und deshalb in die Sozialhilfe rutschen, hatte die Politik 2022 beschlossen, dass die Pflegekassen sich mit einem nach Aufenthaltsdauer ansteigenden Zuschuss an den Eigenanteilen beteiligen. 2024 wurde dieser Zuschuss erhöht und beträgt seither 15 Prozent im ersten Jahr, 30 Prozent im zweiten, 50 Prozent im dritten und 75 Prozent ab dem vierten Aufenthaltsjahr. Somit sinkt die Eigenbeteiligung mit zunehmender Aufenthaltsdauer und entlastet somit besonders Personen, die lange in Pflegeheimen leben. 2024 zahlten die Pflegekassen nach eigenen Angaben etwa 6,4 Milliarden Euro an Zuschüssen. Das konnte allerdings den Zuwachs an Eigenanteilen nicht bremsen.

Sozialverbände, aber auch SPD und Grüne fordern eine Umgestaltung der Pflegeversicherung in eine Bürgerversicherung, in die alle Deutschen einzahlen. Dann könnte die Teilkasko-Versicherung in eine Versicherung umgewandelt werden, die alle Pflegekosten übernimmt. Die Kassen verweisen zudem darauf, dass die Pflegeheimbewohner für Leistungen zahlen müssen, die eigentlich Sache der Steuerzahler und der Bundesländer wären. So könnten Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen um rund 640 Euro im Monat entlastet werden, wenn sie die Investitions- und Ausbildungskosten nicht zahlen müssten, die Sache des Staates seien. So zahlten etwa 2022 die Pflegebedürftigen 4,4 Milliarden Euro für Investitionen, die Bundesländer hingegen nur rund 876 Millionen Euro.