Konflikt im Sudan: „Kein Mensch hat hingeschaut“

Viele EU-Bürger wurden aus dem Sudan evakuiert. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn fordert, dass jetzt die lokale Bevölkerung nicht vergessen wird.

Nach heftigen Kämpfen steigt Rauch über Sudans Hauptstadt Khartoum auf
Nach heftigen Kämpfen steigt Rauch über Sudans Hauptstadt Khartoum aufImago / Xinhua

Nach der Evakuierung von über 1.000 EU-Bürgern aus dem Sudan hat Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn angemahnt, die lokale Bevölkerung nicht zu vergessen. Was in dem Land passiere, sei eine große Katastrophe, sagte er vor einem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg. „Denken wir auch an die Menschen, die nicht evakuiert werden können, die im Sudan leben.“

Zugleich begrüßte der luxemburgische Außenminister, dass EU-Bürger aus dem umkämpften Sudan ausgeflogen wurden. Er hoffe, dass die Zusammenarbeit unter den EU-Staaten so funktioniere, dass jeder EU-Bürger in Sicherheit gebracht werden könne. Nach Angaben des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell sind inzwischen mehr als 1.000 Bürgerinnen und Bürger der EU außer Landes gebracht worden.

Jahrzehntelanger Bürgerkrieg

Grund für die Gewalt im Sudan ist ein eskalierter Machtkampf zwischen Armee-General Abdul Fattah Al-Burhan und dem Befehlshaber der paramilitärischen „Rapid Support Forces“ (RSF), Mohamed Hamdan Dagalo, genannt „Hemeti“. Bei den Gefechten wurden nach UN-Angaben bisher mindestens 427 Menschen getötet.

Asselborn sagte, die internationale Gemeinschaft müsse verhindern, dass sich eine Situation wie im Südsudan wiederhole, wo „kein Mensch hingeschaut“ habe. „Wir haben nur manchmal in den Südsudan geschaut, wenn Menschen in UNO-Gebäuden ihr Leben verloren haben“, sagte Asselborn.

Der Südsudan wurde erst 2011 nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg vom Sudan unabhängig. Doch auch seitdem herrscht in dem Land Gewalt, unter anderem wegen eines Machtkampfes zwischen Präsident Salva Kiir und dem früheren Rebellenchef und derzeitigen Vizepräsidenten Riek Machar. Seit 2013 sind in dem Krieg etwa 400.000 Menschen gestorben, knapp fünf Millionen Menschen sind den UN zufolge auf der Flucht, neun Millionen zudem auf Hilfe angewiesen.