Artikel teilen:

Kommunikationsexperte: Wort der Kirche zum Frieden verpufft

Kommunikationsforscher Gerhard Vowe hält die neue Friedensdenkschrift der EKD für zu schwer verständlich. Seine Kritik: Die Kirche spricht, aber kaum jemand hört zu.

Die Friedensdenkschrift der EKD sorgt für Diskussionen
Die Friedensdenkschrift der EKD sorgt für Diskussionenepd-bild / Paul-Philipp Braun

Die neue Friedensdenkschrift der evangelischen Kirche erreicht nach Einschätzung des Düsseldorfer Kommunikationswissenschaftlers Gerhard Vowe die breite Öffentlichkeit nicht. Dias Dokument sei ein schwer verständlicher „Monolog der Kirche“ und verpuffe ungehört, sagte Vowe in Landau bei einer Tagung der Evangelischen Akademie der Pfalz. Die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) will Impulse für eine christliche Friedensethik in einer sich verändernden Weltlage bieten.

Friedensdenkschrift der Kirche braucht eine zeitgemäße Sprache

Die Wortlastigkeit der rund 150-seitigen Denkschrift ohne visuelle Elemente wie Fotos oder Grafiken „treibt die Vermittlungschancen in einer multimedialen Welt gegen Null“, kritisierte Vowe. Fraglich sei es, ob der „autoritative Impuls“ der Kirche wirklich einen Dialog mit den Menschen anstoßen wolle. Wünschenswert wäre es, das Dokument auf verschiedene Empfängerinnen und Empfänger besser auszurichten, etwa durch Leichte Sprache. Grundsätzlich müsse die Kirche eine bessere Kommunikationskultur pflegen, sagte Vowe.

Friedensdenkschrift: Medien fordern deutlicheres kirchliches Profil

Deutschlandfunk-Redakteurin Luisa Meyer kritisierte, dass die Denkschrift klare Aussagen zu aktuellen Konflikten vermeide. Der Gaza-Krieg werde etwa überhaupt nicht erwähnt. Deutlicher müsste die Position der Kirche in der Friedensfrage werden, sagte Meyer, die der Redaktion „Aus Religion und Gesellschaft“ des Deutschlandfunks angehört. Sie bemängelte zudem, dass die Kirche sich zu sehr an der Sicherheitspolitik der Bundesregierung mit ihrem „neuen Realismus“ orientiere. „Müsste Kirche nicht ein wenig mehr gegen den Strich bürsten?“, fragte Meyer.

Veranstalter der Tagung war die Evangelische Akademie der Pfalz in Kooperation mit der Friedensakademie Rheinland-Pfalz und dem Friedensinstitut der Evangelischen Hochschule Freiburg.