Kölner Rosenmontagswagen: Spott über Merz, Trump und die Bundeswehr

Koalitionsstreitigkeiten, Bundeswehr-Debatten, KI und geopolitische Spannungen: Die Persiflagewagen des Kölner Rosenmontagszugs präsentieren Satire zu nationalen und internationalen Fragen. Einer der Mottowagen, die am Dienstag in der Kölner Wagenbauhalle vorgestellt wurden, zeigt etwa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als „Kanzler der Schmerzen“, wie er und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sich in Fetischoutfits im „Groko Happy Aua Club“ […]

Koalitionsstreitigkeiten, Bundeswehr-Debatten, KI und geopolitische Spannungen: Die Persiflagewagen des Kölner Rosenmontagszugs präsentieren Satire zu nationalen und internationalen Fragen. Einer der Mottowagen, die am Dienstag in der Kölner Wagenbauhalle vorgestellt wurden, zeigt etwa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als „Kanzler der Schmerzen“, wie er und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sich in Fetischoutfits im „Groko Happy Aua Club“ den Hintern versohlen.

Beim traditionellen Wagenrichtfest gab es auch Appelle für Meinungsfreiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. 21 Persiflagen sind in diesem Jahr Teil des größten deutschen Rosenmontagszugs in Köln. 19 davon wurden vorgestellt, zwei Überraschungswagen werden erst am Rosenmontag gezeigt.

Die Situation der Bundeswehr und Wehrpflicht-Debatte werden von den Kölner Karnevalisten ebenfalls aufgegriffen: So versucht ein Soldat auf dem Wagen „Mer dun wat mer künne“ („Wir tun was wir können“) eine massive Drohne mit einem kleinen Kescher abzufangen. Eine andere Persiflage zeigt einen schmächtig aussehenden Jungen, in sein Smartphone vertieft. Über ihm schwebt ein riesiger Bundeswehrhelm. „Mer dun et, das crazy!“ steht daneben.

Die AfD taucht als blaue Schlange auf, die eine Figur mit Deutschlandhut hypnotisiert. Eine Künstliche Intelligenz (KI) hat einem Büroangestellten eine Hundeleine angelegt, daneben prangt die Aufschrift „Mer dun et us freie Stöck“ („Wir tun es aus freien Stücken“). Auch regionale Themen wie das Kölner Bau- und Umleitungschaos oder die Drogenprobleme der Stadt („Köln immer einen Trip wert“) werden von den Jecken persifliert.

Der katholische Stadtdechant Robert Kleine und der evangelische Stadtsuperintendent Bernhard Seiger segneten die Wagen, ihre Besatzung sowie Helferinnen und Helfer. Seiger begrüßte die teils provokanten Darstellungen. Denn weltweit werde dieses Recht infrage gestellt. „Meinungsfreiheit, Vielfalt des Denkens, Satire, Ironie, Witz und Humor werden bedroht“, sagte er. Deshalb sei es gut, dass der Karneval hier keine Grenzen habe.

Internationale Streitthemen werden von den Jecken ebenfalls aufs Korn genommen: Die US-Zölle sind auf einem Wagen mit einer blutigen Guillotine zu sehen, die Autos, Stahl und technische Geräte zerhackt. US-Präsident Donald Trump wird mit nacktem Hintern dargestellt, auf dem Akteure wie die EU, Nato und der Weltfußballverband FIFA, aber auch Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron Kussmünder hinterlassen haben.

Die EU ist als kleines Tier abgebildet, hinter dem ein US-amerikanischer Adler, ein russischer Bär und ein chinesischer Panda mit grimmigen Blicken lauern. Den Ansprüchen der Trump-Regierung auf Grönland treten ein Wal, ein Eisbär und ein Walross mit Protestschildern und einer zerfetzten US-Flagge entgegen.

Zugleiter Marc Michelske betonte, es gehe bei den Wagen neben Aktualität und Relevanz auch um Vielfalt: „Wir wollen auch nicht nur mahnen und anklagen“, sagte er. „Einige unserer Wagen zeigen unsere Wertschätzung und Dankbarkeit bei bestimmten Themen.“ So gibt es auch Motive, die ehrenamtliches Engagement aufgreifen und die Auswirkungen von Angriffen auf Rettungskräfte zeigen.

Der Rosenmontagszug zieht am 16. Februar ab zehn Uhr durch Köln. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Alaaf - mer dun et för Kölle“. An der 7,5 Kilometer langen Zugstrecke vom Chlodwigplatz durch die Innenstadt bis zur Gregorius-Maurus-Straße werden Hunderttausende Jecken erwartet.

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