Klimaschutz: IG BAU warnt vor Asbest-Gefahr bei Altbausanierungen

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat angesichts notwendiger Altbausanierungen in Wiesbaden und bundesweit vor der Gefahr durch asbesthaltige Baustoffe gewarnt und eine Asbest-Charta mit Forderungen an die Politik vorgelegt. „Altbauten in Wiesbaden sind ein tonnenschweres Asbest-Lager“, sagte der Bezirksvorsitzende der IG BAU Wiesbaden-Limburg, Karl-Heinz Michel, laut einer Mitteilung des Bezirksverbands vom Montag.

Zwischen 1950 und 1989 seien in der hessischen Landeshauptstadt rund 21.800 Wohnhäuser mit 76.400 Wohnungen gebaut worden. Dies seien 55 Prozent aller heutigen Wohngebäude in Wiesbaden. Wegen der damals intensiven Asbest-Nutzung sei davon auszugehen, „dass es in jedem Gebäude, das in dieser Zeit gebaut, modernisiert oder umgebaut wurde“, Asbest gebe. „Mal mehr, mal weniger“, sagte Michel.

Auch wenn Asbest ein krebserregender Stoff sei, müssten sich Bewohner eines asbestbelasteten Hauses zunächst keine Sorgen machen. Erst bei Sanierungsarbeiten könne Asbest freigesetzt und damit „zu einem ernsten Problem werden“, sagte Michel. „Wir stehen am Anfang von zwei Sanierungsjahrzehnten. Die energetische Gebäudesanierung wird enorm an Fahrt aufnehmen.“ Um Klimaschutzziele zu erreichen, würde in den kommenden Jahren auch in Wiesbaden „ein Großteil der Altbauten“ angefasst, sagte Michel. Mit der Sanierungs- drohe auch eine „Asbest-Welle“.

Deshalb habe die IG BAU eine bundesweite Asbest-Charta mit zentralen Forderungen für mehr Schutz vor Asbest vorgelegt. Darin heißt es auch, dass künftig jährlich rund 1,3 Millionen Wohnungen „angefasst“ werden müssten, um die Klimaschutzziele im Gebäudesektor bis 2045 zu erreichen.

Die IG BAU fordert in der Charta, dass es vor Baumaßnahmen Informationen über Asbestvorkommen im Gebäude geben müsse. Dies wäre durch einen Asbest- oder Schadstoff-Gebäudepass möglich. Nach einer Gefährdungseinstufung sollten die Informationen außerdem in einem kommunalen Asbest-Kataster festgehalten werden.

Weiter solle der Staat Asbest-Sanierungen finanziell unterstützen. Dies sei notwendig, um zu verhindern, dass Sanierungen gar nicht oder „unter Umgehung des Arbeitsschutzes und einer ordentlichen Asbest-Entsorgung“ durchgeführt werden. Zusätzlich fordert die IG BAU einen Asbest-Gipfel von Bund, Ländern und Kommunen, intensivere staatliche Arbeitsschutz-Kontrollen mitsamt Aufstockung des Kontrollpersonals und eine Aufklärungskampagne zum Thema Asbest auf dem Bau. Dabei sei erforderlich, Informationen auch in anderen Sprachen bereitzustellen.

Laut IG BAU sind in den vergangenen zehn Jahren 3.376 Versicherte der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft an den Folgen einer asbestbedingten Berufserkrankung gestorben.

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