Klimakonferenz: Schneider besucht Aufforstungs-Projekt in Belém

Wenige Stunden nach seiner Landung im brasilianischen Belém hat Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) das erste Mal Kontakt mit dem Amazonas-Regenwald. Es gießt in Strömen, als der Minister am Samstagnachmittag zu einem Projektbesuch im Norden der Stadt, im Gunnar Vingren Park, ankommt.

„Jede Veränderung oder größere Veränderung des Regenwaldes hier in Brasilien spüren wir über kurz oder lang auch in Deutschland“, sagt Schneider im Gespräch mit dem Bürgermeister von Belém, Igor Normando. Er sei deshalb dankbar, dass sich die brasilianische Regierung so stark für den Schutz des Regenwaldes ausspreche. Das wolle Deutschland gerne unterstützen.

Schneider ist zur 30. Weltklimakonferenz nach Belém gereist, die am Montag in die zweite Verhandlungswoche startet. Bei dem Treffen, zu dem Delegierte aus mehr als 190 Staaten in das Amazonasgebiet gereist sind, geht es auch um die Anpassung an den Klimawandel.

Ziel ist es, vor allem besonders betroffene Staaten zu unterstützen, sich besser an Klimafolgen wie Extremwetter und steigende Meeresspiegel anzupassen. Dafür brauchen die Länder Geld, Expertenwissen und praktische Hilfe, um etwa Infrastrukturen gegen Unwetter zu schützen, Landwirtschaft klimaresistent zu machen und die Gesundheitsversorgung zu stärken.

Belém hat vor allem mit Hitze und Erosionen durch die starken Regenfälle zu kämpfen. Deshalb will die Millionenstadt die bestehenden Wälder in der Stadt, wie den Gunnar Vingren Park, aufforsten und mit grünen Korridoren verbinden. Das soll die Stadt kühlen und die Biodiversität fördern.

In dem Park gibt es Bürgermeister Normando zufolge 70 verschiedene Pflanzenarten und 80 verschiedene Tierarten, darunter Affen, Schlangen und Leguane. „Wir möchten ein bisschen Amazonaswald in das Herz der Stadt bringen“, sagt der Bürgermeister. Deutschland beteiligt sich mit 250.000 US-Dollar (etwa 215.000 Euro) an dem Park-Projekt. Geplant ist, den Wald bald wieder für die Stadtbevölkerung zu öffnen.

Bei der Aufforstung packt der deutsche Umweltminister selbst mit an. Er krempelt sich die Ärmel seines weißen Hemdes hoch und hebt den Setzling eines Samaúma-Baumes behutsam in ein Erdloch. Der Baum, der bis zu 70 Meter hoch werden kann, wird auch als „Königin des Amazonas“ bezeichnet.

Schneider betont, dass es bei der diesjährigen Weltklimakonferenz vor allem um die Umsetzung gehe. Das betreffe zum einen die Reduktion der CO2-Emissionen, aber auch die Anpassung an die bereits eingetretenen Klimaveränderungen. Es gehe darum, es den Menschen „möglich zu machen, in einer veränderten Welt trotzdem noch ein gutes Leben führen zu können“, betont der SPD-Politiker.

Die Menschen im Amazonas machten sich große Sorgen um die Zukunft des Regenwaldes, gibt Bürgermeister Normando zu bedenken. Er appelliert an Schneider, den Schutz des Waldes zu unterstützen. „Der Amazonas hat der Welt gezeigt, wie man atmet - jetzt muss die Welt dem Amazonas helfen, zu überleben“, sagt Normando. Die Zukunft des Waldes sei internationale Verantwortung.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte vor dem offiziellen Start der Klimakonferenz angekündigt, dass Deutschland den von Brasilien ins Leben gerufenen Tropenwald-Fonds mit einem „namhaften Betrag“ unterstützen werde. Mit dem Finanzierungsmechanismus sollen Länder für den Erhalt tropischer Wälder entschädigt werden. Mehrere Länder, darunter Brasilien und Norwegen, haben insgesamt bereits mehr als fünf Milliarden US-Dollar für den Fonds zugesagt.

Eine genaue Summe konnte Schneider am Samstag noch nicht nennen. Er hoffe aber, „in kürzester Zeit“ eine Größenordnung angeben zu können. Ob dies noch vor Ende der Klimakonferenz geschieht, bleibt offen.

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