Die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hat dazu aufgerufen, die Kinderarmut als ein gesamtgesellschaftliches Problem anzugehen. Es sei „ein Armutszeugnis“ und unerträglich, dass in einem noch immer reichen Land wie Deutschland viele Kinder und deren Familien in Armut leben müssten, sagte Wüst am Montag bei der Eröffnung der 12. Kindervesperkirche in der protestantischen Jugendkirche in Ludwigshafen. Die Aktion will bis 12. Dezember ein Zeichen gegen Armut setzen sowie Chancengleichheit und Mitmenschlichkeit fördern.
In der Jugendkirche gibt es täglich für 60 bis 90 Kinder aus zwei Ludwigshafener Grundschulen ein gemeinsames Essen sowie Spiele und Aktionen. Das von zahlreichen Sponsoren unterstützte Projekt versteht sich als Anwalt für Kinder, die am Rand der Gesellschaft stehen, weil sich ihre Familien eine Teilhabe nicht leisten können.
Mit der Kindervesperkirche wolle die Kirche exemplarisch die Kinderarmut in der Gesellschaft sichtbar machen, sagte die Kirchenpräsidentin. „Wir wollen Kirche für andere und füreinander sein.“ Mehr als 70 Grundschulkinder der Schule an der Blies aus Ludwigshafen wurden am Montag von zahlreichen Ehrenamtlichen nach dem Unterricht betreut. In den kommenden Tagen sind auch Kindern von der Albert-Schweitzer-Schule an der Reihe.
Kirchenpräsidentin Wüst betonte, dass Kirche und Diakonie ihren Beitrag zur Bekämpfung von Kinderarmut leisteten. Doch sei es aufgrund begrenzter personeller Ressourcen nicht möglich, mehr zu tun. In erster Linie stehe die Politik in der Verantwortung, Kinder und Familien zu unterstützen. Noch immer gebe es versteckte Kinderarmut, viele Familien scheuten sich, über ihre schwierige finanzielle Lage zu sprechen. In der Kindervesperkirche könnten die Schulkinder in der Vorweihnachtszeit einfach einen schönen Tag erleben.
Der Ludwigshafener Dekan Paul Metzger sagte, die Kindervesperkirche habe zwei „bittersüße“ Seiten: Zum einen sei es traurig, dass ein solches Angebot überhaupt nötig sei. Zum anderen zeige es: „Wir können etwas tun für andere.“
Jedes Kind kann bei der Kindervesperkirche zwei Workshops besuchen. Unter anderem werden Plätzchen gebacken, Weihnachtskarten gestaltet, Schneekugeln, Stressbälle und Knetseife hergestellt. Auch können sich die Kinder bei Traumreisen entspannen und sich bei der „Elfen-Ausbildung“ sportlich austoben. Angeleitet werden die Workshops von angehenden Erzieherinnen und Sozialassistenten der Ludwigshafener Anna-Freud-Schule/Berufsbildende Schule für Sozialwesen, Gesundheit und Hauswirtschaft. Für das leibliche Wohl sorgen Schüler der Berufsbildenden Schule Technik 2.