Fall Latzel

Kirchenleitung weist Vorwürfe zurück

Nach Kritik an der vorläufigen Enthebung vom Dienst reagiert die Kirchenleitung: Es sei eine Reaktion auf die Verurteilung wegen Volksverhetzung.

Olaf Latzel in seiner Bremer Wohnung (Archivbild)

Bremen. Im Fall des vorläufig vom Dienst enthobenen Bremer Pastors Olaf Latzel hat die Kirchenleitung Vorwürfe von Vertretern der theologisch konservativen „Arbeitsgemeinschaft missionarische Kirche“ (AmK) in der Hansestadt zurückgewiesen. Die vorläufige Dienstenthebung sei ein rein personalrechtlicher Akt infolge eines gegen Latzel ergangenen Urteils in einem Strafprozess wegen Volksverhetzung, heißt es in einer Stellungnahme. Sie hänge nicht mit theologischen Differenzen zusammen.

Latzel ist als Pastor der St.-Martini-Gemeinde in der Bremer Innenstadt am 25. November vor dem Amtsgericht der Hansestadt wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten verurteilt worden, umgewandelt zu einer Geldstrafe von 8.100 Euro. In der Urteilsbegründung sagte Richterin Ellen Best, Latzel habe in einem auf Youtube verbreiteten „Eheseminar“ zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt.

Kirchliches Disziplinarverfahren ruht

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil Pastor Latzel dagegen Berufung eingelegt hat. Bis zu einer endgültigen Entscheidung ruht auch ein kirchliches Disziplinarverfahren.

Die AmK bezeichnete die vorläufige Dienstenthebung als einen Schritt „ohne Augenmaß“, der den Frieden in der theologisch pluralistischen Bremischen Evangelischen Kirche gefährde. Sie schränke Latzels St.-Martini-Gemeinde ein und sei „de facto“ ein „Berufsverbot“ für den betroffenen Pastor, der als „unliebsamer Verkündiger“ aus dem Dienst entfernt werden solle. Sie sei zudem ein Vorgriff auf das Ergebnis des Berufungsverfahrens und damit eine Missachtung des Rechtsweges.


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Die vorläufige Dienstenthebung sei kein Berufsverbot, Latzels Bezüge blieben davon unberührt, heißt es in der Reaktion auf die Vorwürfe. Der leitende Kirchenausschuss achte die Unabhängigkeit der Justiz und übernehme dienstrechtliche Verantwortung. Er suche und führe das Gespräch mit der St. Martini-Gemeinde und Pastor Latzel. Die „leider zahlreich erfolgten Beleidigungen und Verunglimpfungen einzelner Mitglieder des Kirchenausschusses sowie die Kampf-Rhetorik“ werde entschieden zurückgewiesen.

Auf Wunsch werde die Bremische Evangelische Kirche der Gemeinde Vertretungskräfte für den pastoralen Dienst zur Verfügung stellen, hieß es weiter. Die Arbeitsgemeinschaft Missionarische Kirche (AmK) ist ein Arbeitskreis von sieben Kirchengemeinden sowie Einzelpersonen innerhalb der Bremischen Evangelischen Kirche. (epd)

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