Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Bramsche hat sich gegen im Internet geäußerte Kritik am sexualpädagogischen Konzept seiner Kindertagesstätten verteidigt. Dem Kirchenkreis sei vorgeworfen worden, das Konzept sei „pervers“ und Beschäftigte, die damit arbeiten, müssten entlassen werden, sagte Superintendent Joachim Cierpka am Freitag in einer Pressekonferenz in Bramsche. Auslöser war ein Beitrag der Landtagsabgeordneten Vanessa Behrendt (AfD) auf der Plattform X vom Montag, in dem sie das Konzept skandalisierte.
Es handle sich um ein Arbeitspapier für Mitarbeitende, in dem sie unter anderem Informationen zu den Entwicklungsphasen von Kindern und zum Umgang mit dem eigenen Körper erhalten, sagte Cierpka. Entscheidend sei, dass kindliche Sexualität etwa in Doktorspielen oder anderen Ausdrucksformen von spielerischem Entdecken geleitet sei und nicht absichtsvoll. „Sie ist daher deutlich zu unterscheiden von erwachsener Sexualität“, betonte Cierpka. Die kindliche Neugierde müsse allerdings qualifiziert begleitet werden. Dafür müsse es klare und nachvollziehbare Regeln geben, die am Ende dem Schutz der Kinder dienten.
In ihrem X-Beitrag hatte Vanessa Behrendt einen Screenshot der Website der Kindertagesstätte Badbergen veröffentlicht. Dieser zeigte zusammenhangslos einen Ausschnitt aus dem sexualpädagogischen Konzept. Behrendt kommentierte: „Jeder Einzelne, der dieses perverse Konzept unterstützt, sollte auf der Stelle ein Berufsverbot erhalten.“ Bis Freitag war das Posting mehr als 400.000 Mal aufgerufen worden.
„Es ist schwierig, wenn man einzelne Sätze aus dem Kontext reißt und unqualifiziert kommentiert“, sagte Cierpka. Der „populistischen Behauptung“ der AfD-Politikerin stehe ein durchdachtes und umfassendes Konzept gegenüber, zu dessen Verständnis eine pädagogische Grundbildung nötig sei, über die nicht jeder verfüge, betonte der Superintendent. Der Kirchenkreis stehe daher weiterhin voll hinter dem Konzept, wolle es allerdings sprachlich überarbeiten und eine für die Öffentlichkeit verständlichere Form erstellen.