Kirchengemeinden müssen auf Fußball-Feste zur EM verzichten

Die EKD macht Gemeinden kein Angebot für Übertragung auf Großbildleinwänden. Schuld sei eine Verdopplung der Lizenzgebühren. Jetzt schauen Fußball-Fans in die Röhre.

Gemeindepastor Jörn de Jager spielt am 15.6.04 in der Elisabeth-Kirche in Hamburg-Eidelstedte, Hamburgs Fußballkirche, mit einem Fußball. Pastor de Jager hält am Dienstag, 15.6.04, vor dem Anpfiff des Europameisterschaftsspiels Deutschland gegen Holland, in der Kirche, eine Andacht für die deutsche Fußballnationalmannschaft. Im Anschluß an die Andacht wird das Vorrundenspiel live auf einer Großbildleinwand übertragen - mit Tipp-Gewinnspiel und fußballgerechter Verpflegung. Angesichts der zuletzt eher mäßigen Leistungen der deutschen Elf bekomme das Motto "Beten für Käthes Buben" einen besonderen Sinn, sagte der Pastor.
Gemeindepastor Jörn de Jager spielt am 15.6.04 in der Elisabeth-Kirche in Hamburg-Eidelstedte, Hamburgs Fußballkirche, mit einem Fußball. Pastor de Jager hält am Dienstag, 15.6.04, vor dem Anpfiff des Europameisterschaftsspiels Deutschland gegen Holland, in der Kirche, eine Andacht für die deutsche Fußballnationalmannschaft. Im Anschluß an die Andacht wird das Vorrundenspiel live auf einer Großbildleinwand übertragen - mit Tipp-Gewinnspiel und fußballgerechter Verpflegung. Angesichts der zuletzt eher mäßigen Leistungen der deutschen Elf bekomme das Motto "Beten für Käthes Buben" einen besonderen Sinn, sagte der Pastor.epd-bild/Stephan Wallocha

Hannover. Fußball-Fans können die Spiele der Fussball-Europameisterschaft 2016 nicht auf Großbildwänden in Kirchengemeinden verfolgen. Für die EM vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich könne kein entsprechendes Public-Viewing-Angebot wie in den Vorjahren unterbreitet werden, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover mit. Grund seien vor allem die finanziellen Belastungen als auch der hohe Verwaltungsaufwand.
Die Tarife der Gema für Public Viewing ohne Veranstaltungscharakter, worunter die kirchlichen Veranstaltungen fallen, hätten sich erheblich verändert, hieß es weiter: "Dies umfasst nicht nur eine Verdopplung der Lizenzgebühren sondern auch eine umfassende Nachweispflicht der an die Kirchengemeinden ausgegebenen Lizenzen", heißt es in einem dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegenden Brief der EKD an die Kirchengemeinden. Der Abschluss eines Pauschalvertrages zu bisherigen Bedingungen und ohne Registrierung der jeweiligen Gemeinden sei "trotz intensiver Bemühungen seitens der EKD" leider nicht möglich gewesen.

Was der Spaß kosten soll

Wenn Kirchengemeinden aufgrund der bisherigen guten Resonanz Public-Viewing-Veranstaltungen zur EM 2016 anbieten möchten, sollten sie sich direkt mit der Verwertungsgesellschaft Gema in Verbindung setzen, hieß es. Für die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 hatte die Evangelische Kirche in Deutschland ein Kontingent von 1.200 kirchlichen Veranstaltern übernommen und komplett die Gebühren an die Musikverwertungsgesellschaft Gema gezahlt. Weitere Gemeinden mussten für die Übertragungsrechte einen Tarif von 80 Euro zahlen – 20 Prozent weniger als die üblichen Gebühren. Bei der Weltmeisterschaft 2010 hatten sich rund 2.000 Gemeinden für ein von der EKD rechtlich geregeltes Public Viewing registrieren lassen. In Deutschland gibt es rund 15.000 evangelische Kirchengemeinden. (epd)