Kirchen zu Pogrom-Gedenken: Judenhass klar entgegentreten

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben mit Blick auf das Gedenken an die Novemberpogrome an diesem Donnerstag zum entschiedenen Eintreten gegen Antisemitismus aufgerufen. „Es ist unerträglich, dass 85 Jahre nach der Reichspogromnacht Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder Grund haben, den Gang auf die Straße zu fürchten, dass sie Sorge um ihre Kinder in Kindergärten und Schulen haben“, erklärte die EKD-Ratsvorsitzende und westfälische Präses Annette Kurschus am Mittwoch.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, appellierte, den Kampf gegen Judenfeindschaft nicht dem Staat allein zu überlassen. „Antisemitismus ist eine Schande für unsere Gesellschaft, die wir nur gemeinsam überwinden können“, sagte Bätzing zum Gedenktag an die Novemberpogrome gegen Jüdinnen und Juden 1938.

„Antisemitismus, egal in welcher Form, darf in Deutschland keinen Platz haben“, fügte Kurschus hinzu. Auch die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, wandte sich gegen Antisemitismus in jeglicher Form. Das Erinnern an den Hass und die Gewalt gegen Jüdinnen und Juden sei immerwährende Aufgabe von Christinnen und Christen, sagte sie.

Die Erinnerung an die Reichspogromnacht vor 85 Jahren erfülle ihn mit Schmerz, sagte der Limburger Bischof Bätzing: „Das Schweigen der katholischen Kirche in Deutschland zur Judenverfolgung beschämt mich.“ Der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg (1875-1943) „war und blieb einer der Wenigen, die ihre Stimme erhoben, um gegen das Unrecht zu protestieren.“

Der 9. November ist der Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht 1938. Damals waren die Nationalsozialisten von der Diskriminierung von Juden zu offener Gewalt übergegangen. Mehr als 1.300 Menschen wurden getötet und mindestens 1.400 Synagogen in Deutschland und Österreich stark beschädigt oder zerstört.