Theologieprofessor über ungewöhnliche Konzepte

Kirche darf auch mal Heavy Metal sein

Gottesdienste mit Heavy-Metal-Musik und Klettern im Kirchturm – Theologieprofessor Michael Herbst hat nichts gegen ungewöhnliche Konzepte. Er nennt aber eine Bedingung.

Motto "Heaven And Hell": In Dortmund fand 2007 der erste Heavy-Metal-Gottesdienst Deutschlands statt

von Karen Miether

Hannover/Greifswald. Eine Kirchengemeinde mit einer Kletteranlage, Gottesdienste im Tattoostudio oder mit Heavy-Metal-Musik – der evangelische Theologieprofessor Michael Herbst sieht in solchen Neuerungen durchaus Chancen für die Kirchen. "Wer so etwas anbietet, muss sich aber wirklich einlassen auf eine soziale Gruppe, einen Ort oder ein Lebensgefühl", sagte Herbst im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Greifswalder Professor für Praktische Theologie war in Hannover Redner bei einem Seminar der Bewegung "Fresh X", auf dem ungewöhnliche Kirchen-Konzepte vorgestellt wurden.
Die ökumenische Initiative "Fresh X" will nach neuen Wegen suchen, um Menschen ohne Bezug zur Kirche anzusprechen und ihnen den christlichen Glauben nahe zu bringen. Vorbild ist ein Projekt der anglikanischen Kirche aus England. "Die Grundidee ist dabei, dass die Kirche zu den Menschen kommt und dort auch bleibt", erläuterte Herbst. Oft gehe die Initiative von Ehrenamtlichen aus. In Greifswald seien zum Beispiel 13 Wohngemeinschaften von jungen Menschen entstanden, die in einem sozialen Brennpunkt diakonisch-missionarische Sozialarbeit leisteten. "Sie haben gesagt, das geht nur, wenn wir auch dort in die Plattenbauten ziehen."

Keinem Trend hinterherrennen

Doch Prof. Herbst nennt eine Bedingung: Wichtig sei es, mit den Neuerungen nicht Trends hinterherzurennen, sondern glaubhaft zu bleiben, betonte der Theologe. So sei ein Pastor, der in der Schweiz auch als Metalpfarrer unterwegs sei, selbstverständlich eingefleischter Heavy-Metal-Liebhaber. Ein Pastoren-Ehepaar aus Dortmund veranstaltete 2007 den ersten Heavy-Metal-Gottesdienst Deutschlands, 100 Besucher kamen, am Eingang wurden Ohrstöpsel verteilt.
Aus den Initiativen sollten sich nach Möglichkeit eigene Formen von Gemeinden entwickeln. "Eine Kirchengemeinde, die eine Kletterhalle baut, darf nicht meinen, in zwei Jahren sitzen alle Kletterer bei ihr in den Gottesdiensten", sagte Herbst. "Es wird sich eine eigene Form ergeben, und keiner weiß vorher, wie die aussieht."
Nötig seien die neuen Formen, weil vor allem in den Städten die Lebenswelten der Menschen stark auseinanderdrifteten. Die Kirchengemeinde in einem Bezirk sei für viele kein Bezugspunkt mehr. "Die Lebenswelt der Menschen ist stattdessen zum Beispiel von der Schule geprägt, auf die ihre Kinder gehen, oder von dem kulturellen Angebot, für das sie sich engagieren."

Christlicher Kongress

Herbst zählt auch zu den Rednern eines Kongresses der christlichen Initiative "Willow Creek" in Hannover. Auch dieser Zusammenschluss hat sich vorgenommen, in Zeiten leerer werdender Kirchen die Menschen auf neue Weise für den christlichen Glauben zu gewinnen. Zu dem Kongress werden bis Sonnabend rund 9.500 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter aus Kirchen im deutschsprachigen Raum erwartet. (epd)

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