Nach Worten des Wiener Kardinals Christoph Schönborn ist es keine Selbstverständlichkeit, in Frieden zu leben. Österreich habe in seiner Geschichte noch nie eine so lange Zeit des Friedens erlebt, sagte er am Sonntagabend in seiner Silvesteransprache im ORF-Fernsehen. "Wenn man so lange in Frieden leben durfte, dann besteht die Gefahr, dass man sich daran gewöhnt" und vergesse, dass Friede auch "harte Arbeit" sei und erfordere, dass man sich immer wieder um ihn bemüht, betonte der Wiener Erzbischof.
"Wir haben in unseren Nachrichten vor allem mit Konflikten zu tun, mit Katastrophen", so Schönborn, "über den Frieden wird wenig geredet, weil er für selbstverständlich gehalten wird". Man müsse sich die Frage stellen, was Frieden tatsächlich ausmache: "Friede ist harte Arbeit, Friede ist anstrengend." Das gelte es insbesondere im kommenden Jahr unter anderem mit der Europawahl, aber auch angesichts großer Herausforderungen wie Klimawandel, Inflation oder Krisen in der Weltpolitik im Blick zu behalten, betonte der Kardinal
Um den Frieden zu erhalten, ob in der Familie oder in Politik und Wirtschaft, bedürfe es gewisser Tugenden; etwa, "den anderen nicht runterzumachen, sondern wertzuschätzen, auch wenn man verschiedener Ansicht ist. Das Gespräch suchen, das Gemeinsame über das Trennende stellen", so der 78-Jährige. All diese Dinge seien nicht selbstverständlich.
Der Wiener Erzbischof rief dazu auf, "in uns selber die Trägheit zu überwinden", die den Frieden so schwer mache. Das heiße, über den eigenen Egoismus und die eigenen Interessen hinaus zu handeln. Damit das gelinge, seien drei kleine Worte entscheidend: "Danke, Bitte, Verzeih", so Schönborn. "Wenn wir alle diese Worte oft genug und ehrlich gebrauchen, dann tragen wir auch im kleinen Rahmen unseres Alltags sehr viel dazu bei, dass der Frieden erhalten bleibt", erklärte der Kardinal. "Das wünsche ich Ihnen, das wünsche ich uns allen. Das wünsche ich auch der ganzen Welt."