Klöster in Niedersachsen öffnen nach Corona-Pause

Jetzt ist Gemeinschaft gefragt

Klöster wie Bursfelde oder Wülfinghausen können wieder Exerzitien und Glaubenskurse anbieten. Doch wichtiger als Rückzug ist den Besuchern etwas ganz Anderes.

Ins Kloster Bursfelde zieht wieder mehr Leben ein

von Sven Kriszio

Hann. Münden/Springe. Wer ins Kloster Wülfinghausen einkehrt, der will gewöhnlich eine Auszeit nehmen und Zeit für sich haben. „In diesem Jahr ist das anders“, sagt Pastor Peter Haigis. „Wir hatten im Juni als eine der ersten Gruppen Vikare hier. Die waren regelrecht ausgehungert nach Gemeinschaft.“ Sie hätten sich nach ihrer Ankunft gleich in Zweier- oder Dreiergruppen zusammengetan und viel zu besprechen gehabt, so der theologische Referent des Klosters.

„Da sind wir von unserer Regel hier abgewichen. Denn wir ermuntern Neuankömmlinge normalerweise, die Schönheit der Kloster­anlage und der Landschaft erstmal allein und in Ruhe bei einem Spaziergang zu erkunden.“

Ersehnter Moment

Erst im Juni hat das Kloster Wülfinghausen seine Pforten wieder für Besucher geöffnet – auch für die Vikare sei dies ein lang ersehnter Moment gewesen. „Sie haben sich seit März vergangenen Jahres nicht mehr getroffen und auch keine Präsenzveranstaltungen mehr besucht“, erklärt Haigis. „Da ist es verständlich, dass sie ein großes Bedürfnis nach Begegnung und Austausch haben. Dem wollten wir nachkommen.“ So habe man zum Beispiel am Johannistag an einer Feuerstelle zusammengesessen und einen schönen Abend verbracht.

Zum Kloste-Tag kamen viele Besucher nach Bursfelde Foto: Klaas Grensmann

Gestartet sei im Kloster Wülfinghausen auch ein Jahreskurs für Menschen zwischen 20 und 35 Jahren, erzählt Haigis, der erst seit Herbst vergangenen Jahres mit einer halben Pastorenstelle im Kloster arbeitet und seitdem die Schwesternschaft des Klosters unterstützt. „Wir gehen existenziellen Fragen nach, die am Anfang des Berufslebens aufkommen, und versuchen ihnen ein gutes Gespür für sich selbst zu geben.“


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Zu den weiteren Angeboten des Klosters, das zwischen Hildesheim und Hameln liegt, gehören Schweige-Exerzitien und verschiedene Kurse, die spirituelle Erfahrungen ermöglichen. So sei für Anfang August eine Steinmetz-Werkstatt geplant, so Haigis. Öffentlich seien die Kloster-Gottesdienste, die jeweils am ersten Sonntag im Monat stattfinden.

Auch die Angebote im knapp 100 Kilometer entfernten Kloster Bursfelde bei Göttingen nehmen seit einigen Wochen wieder Fahrt auf, berichtet Pastor Klaus-Gerhard Reichenheim, der das Geistliche Zentrum im Kloster leitet. Bis Ende Mai sei auch Bursfelde geschlossen gewesen, und man habe sich in der Zwischenzeit bemüht, digitale Angebote zu machen. Doch das sei kaum zu vergleichen. „Es ist so schön, dass jetzt endlich wieder Menschen hier bei uns sind“, freut sich Reichenheim. Endlich dürfe wieder gesungen werden. „Das kommt mir jetzt alles so vor wie ein Entigeln.“

Viel Vorsicht beim Klostertag

So hatte Bursfelde Mitte Juni zum Klostertag eingeladen. „Das ist so dankbar angenommen worden.“ Aus Vorsicht habe man das Kloster nacheinander für zwei Mal 40 Personen geöffnet, berichtet Reichenheim. Aber man müsse sich an die neue Situation­ erst wieder gewöhnen. „Wir sind der Gemeinschaft nach Monaten des Rückzugs entwöhnt“, betont Reichenheim.

Chance für die Kirche

Auch hier waren Vikare zu Gast. „Nicht nur für sie war das Wiedersehen eine neue Erfahrung. „Auf eine gute Weise waren die Begegnungen und Gespräche anstrengend.“ Ihm sei klar geworden, dass Kontakte im Internet die körperliche Begegnung nicht aufwiegen könnten, so hilfreich sie seien, so Reichenheim. „Man kann jetzt wieder ganz anders miteinander sprechen.“

Die neuen alten Begegnungsmöglichkeiten sieht Pastor Reichenheim deswegen als Chance für die Kirche. „Wir müssen den alten Stiefel nicht so weitermachen wie bisher, sondern wir können nach neuen Wegen suchen, wo es sich anbietet. Die Frage sei, welche von den aus der Not geborenen Angeboten bleiben sollen und welche man auch lassen könne. „Die Pandemie ist ein Stresstest in vielerlei Hinsicht.“

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