Jenaer Prunksarg am Rechner rekonstruiert

Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben die Farbgebung des Sargs von Fürst Johann Wilhelm von Sachsen-Jena (1675-1690) digital rekonstruiert. In über 100 Arbeitsstunden sei der barocke Prunksarg am Rechner in einer Weise digital restauriert worden, die europaweit neue Standards setze, teilte der Kustos der universitären Sammlung für Ur- und Frühgeschichte, Enrico Paust, am Montag in Jena mit.

Grundlage der Rekonstruktion waren laut Paust umfassende Untersuchungen der verwendeten Materialien und Oberflächen. Mittels Röntgenfluoreszenz sei etwa die chemische Zusammensetzung des verwendeten Metalls ebenso wie die ursprüngliche Farbigkeit ermittelt worden, die über die Jahrhunderte weitgehend verloren ging. Die Zinnoberflächen hätten sich verdunkelt, Vergoldungen seien abgerieben und einzelne Schmuckelemente verloren gegangen, erläuterte Paust. Auf Grundlage der noch in Spuren vorhandenen Befunde sei es möglich gewesen, das prunkvolle Aussehen des Sargs digital wiederherzustellen.

Paust betonte, dass mit der Rekonstruktion ein bedeutendes Zeugnis barocker Sepulkralkultur wissenschaftlich erschlossen und zugleich anschaulich erfahrbar gemacht worden sei. So seien die nahezu unlesbaren Inschriften auf dem Sargdeckel ergänzt worden, indem Expertinnen und Experten ein Alphabet nach der historischen Schriftform der besser erhaltenen Seiteninschriften gestalteten. Diese Lettern seien genutzt worden, um daraus den bereits bekannten Text neu zusammenzusetzen.

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