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Jahreswechsel: Bischöfe im Südwesten werben für Zuversicht

Die Bischöfinnen und Bischöfe im Südwesten haben zum Jahreswechsel für Zuversicht geworben. „Wir leben in einer Welt, die nach Frieden lechzt, in der es Ungerechtigkeit und Betrug gibt, in einer Welt, in der das große Kräftemessen oft die vergisst, die den Preis dafür zahlen“, sagte die badische evangelische Landesbischöfin Heike Springhart am Neujahrstag laut ihrer Landeskirche. Die Jahreslosung für 2026, „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“, sei für sie daher eine ermutigende Verheißung. „Das ist eine klare Kante gegen all die, die in eigener Selbstherrlichkeit das bisher Dagewesene einfach wegwischen wollen.“

Mit Blick auf die Jahreslosung sagte der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, in seiner Neujahrsbotschaft, dass Gottes radikale Menschenfreundlichkeit alle Menschenfeindlichkeit sprenge. Diese Gewissheit sei keine Vertröstung auf das Jenseits, sondern eine Ermutigung, aus dieser Zuwendung zu leben und sie in Wort und Tat zu bezeugen. Gohl verwies zudem auf lebensfeindliche Kräfte wie Gier, Hass und Gewalt, die auch heute noch wirkten. Dem stelle die Bibel einen „radikalen Wandel“ gegenüber. Gott wolle, dass es „für uns, für alle, für die ganze Schöpfung gut wird“, betonte der Bischof.

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger warnte am Silvesterabend vor Antisemitismus und Rechtspopulismus. „Ohne hier auf tagespolitische Fragestellungen eingehen zu wollen, bleibt zu beobachten, dass die politischen Fliehkräfte innerhalb unserer Gesellschaft immer stärker werden“, sagte er im Freiburger Münster. Neben wachsendem Antisemitismus stimmten ihn weitere Entwicklungen nachdenklich: ein Erstarken der Rechtspopulisten, der Umgang mit den Migranten, die Sorge um das wirtschaftliche Wachstum und um den Klimawandel sowie die demografische Entwicklung, dass immer weniger junge Menschen eine alternde Gesellschaft tragen sollen.

Zugleich sprach er den jüdischen Menschen in Deutschland seine Solidarität aus. „Gerade in dieser Zeit, in der sich manche verstärkt von antisemitischem Gedankengut beeinflussen lassen, ist unsere Solidarität mit unseren jüdischen Glaubensgeschwistern umso dringlicher und notwendig.“ Burger erinnerte dabei auch die gemeinsame theologische Basis von Juden und Christen. „Vergessen wir nicht, was das Johannes-Evangelium immer wieder ins Bewusstsein ruft: Das Heil kommt von den Juden! Wir haben eine gemeinsame Wurzel, die uns trägt und aus der Christus hervorgegangen ist.“

Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warb in seiner Neujahrsansprache für Zuversicht und Kompromissfähigkeit. Angesichts großer Krisen und Sorgen sei der Kompromiss eine tragende Säule der Demokratie, sagte er in seiner am Mittwoch veröffentlichten Rede. Der Kompromiss sei der einzige Weg, um zu einer Übereinkunft freier Menschen zu gelangen. Die Alternative dazu wäre das Recht des Stärkeren.

Seine persönliche Zuversicht schöpfe er aus der Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen. „Jeder Mensch ist ein Neubeginn“, sagte Kretschmann. Jeder könne denken, reden und handeln wie niemand vor ihm. Diese Kraft ermögliche es, neue Wege in Wissenschaft, Politik und im Miteinander zu beschreiten. Ein Kompromiss sei zwar oft mühsam und koste Zeit und Nerven, aber er baue Brücken und keine Gräben. Kretschmann rief dazu auf, aufeinander zuzugehen und gemeinsam anzupacken.(0004/01.01.2026)