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Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten?

Mitten im Februar ist in Frankfurt das Weihnachtsfieber ausgebrochen. Adventskränze und Nikoläuse bestimmen das Bild – auf der weltgrößten Fachmesse “Christmasworld”.

Auf der "Christmasworld" in Frankfurt kommt auch der Schneemann mit einer Gondel
Auf der "Christmasworld" in Frankfurt kommt auch der Schneemann mit einer GondelImago / epd-bild

Während sich Millionen Menschen auf den nahen Karneval freuen und im Supermarkt die ersten Schoko-Osterhasen liegen, denken Experten für Deko und Kitsch schon über das nächste Weihnachten nach. Auf der weltweit bedeutenden Messe Christmasworld in Frankfurt zeigte die Branche Trends und Kuriositäten.

Unzählige rundliche Nikoläuse und Weihnachts-Elfen aus Glas, Holz, Plastik und Stoff haben dafür die nüchternen Frankfurter Messehallen in ein riesiges Weihnachtswunderland verwandelt. Überall blinken Adventskränze. Allerdings ist nirgendwo Musik zu hören, denn hier geht es für die rund 650 Aussteller aus über 100 Ländern um Geschäfte.

Weihnachtsmesse Christmasworld: Weihnachtsmann auf Motorroller

Auch wenn die Christmasworld wichtige gemeinsame Trends präsentiert, etwa LED-Adventskränze und festliche Kerzen in den Modefarben Bernstein und Salbei: Großes Thema ist die extreme Individualisierung unserer Zeit. “Wir leben inzwischen doch alle in gesellschaftlichen Blasen”, sagt Patricia Correia vom Londoner Baumschmuck-Hersteller Sass & Belle. Es gibt so ziemlich keinen Gegenstand, den sie nicht aus filigranem Glas gestaltet für den Tannenbaum anbieten. Kettensäge, Akkuschrauber, Playstation-Bedienung oder Tuschkasten. Der Weihnachtsmann tanzt im Spiderman-Kostüm oder fährt auf einem Motorroller Pizza aus. “Es ist schon etwas verrückt”, sagt die Messevertreterin. Aber Weihnachten werde eben immer individueller.

Die Ausstellung reicht “von klassischen Sortimenten bis hin zu trendstarken Neuinterpretationen”, wie es die Messegesellschaft zusammenfasst. Eine solche neue Version eines jahrhundertealten Brauchs bietet ein Krippenhersteller aus Südtirol an: Jesus, Maria und Josef sind aufwendig geschnitzt und zugleich gewagt modern – die heilige Familie hat keine erkennbaren Gesichtszüge. Der Look ähnelt abstrakten Werken des Bildhauers Amedeo Modigliani (1884-1920). “Das Modell verkauft sich besonders gut in Skandinavien”, so Luca Tescaro von der Schnitzerwerkstatt Ulpe. Sie hat auch ein Krippengebäude mit moderner LED-Beleuchtung im Programm – auf Wunsch blinkend.

Wenige Meter weiter dasselbe Motiv in klassisch, dafür aber viel größer. Die Familie von Betlehem ist an manchem Stand in lebensgroß samt ebensolchem Esel zu haben. Das Unternehmen von Messeverkäufer Giuseppe will nicht ganz so hoch hinaus, dennoch sind die liebevoll eingekleideten Maria und Josef mit dem neugeborenen Messias immerhin 80 Zentimeter hoch. Solche Weihnachtsriesen sind vor allem für Schaufenster gedacht. Giuseppe, der seinen Nachnamen nicht in der Presse lesen möchte, erklärt: “Aber es stellen sich auch immer mehr Menschen solche großen Figuren zu Weihnachten ins Wohnzimmer.”