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Iran-Expertin: Der Opposition fehlt die Identifikationsfigur

Die Opposition im Iran ist laut Expertin Eva Orthmann zersplittert. Hoffnungsträger wie Reza Pahlavi könnten eine Lücke füllen, doch viele Fragen zu Demokratie und Reformen bleiben offen.

Die Rolle Reza Pahlavis bei den Iran-Protesten bleibt umstritten und politisch offen
Die Rolle Reza Pahlavis bei den Iran-Protesten bleibt umstritten und politisch offenImago / Middle East Images

Die Göttinger Iranistik-Professorin Eva Orthmann zeigt sich angesichts der Proteste im Iran und der gewaltsamen Gegenwehr des Mullah-Regimes besorgt über die Zukunft des Landes. Die erneuten Demonstrationen nur gut drei Jahre nach der 2022 angestoßenen Befreiungsbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ deuteten auf eine tief sitzende Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung mit der politischen und religiösen Führung des Landes hin, sagte die Direktorin des Seminars für Iranistik der Universität Göttingen dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Wirtschaftliche Not ist zentraler Treiber der Iran-Proteste

Die Proteste seien von den unzufriedenen Basar-Händlern in Teheran offenbar sehr schnell auf weite Teile der Bevölkerung übergesprungen, erläuterte Orthmann, die von 2007 bis 2018 Professorin für Islamwissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn war. Die wirtschaftliche Lage habe sich für die meisten Menschen über Jahre immer weiter verschlechtert. Die Bevölkerung habe im vergangenen Jahr zudem erlebt, dass die Führung in Teheran sie nicht gegen die Angriffe aus Israel und den USA habe schützen können.

Wirtschaftliche Not, Gewalt und fehlende Sicherheit prägen die Proteste im Iran
Wirtschaftliche Not, Gewalt und fehlende Sicherheit prägen die Proteste im IranImago / Avalon.red

Das alles habe zu einem großen Legitimitätsverlust der Regierung geführt. „Es fällt schwer, sich vorzustellen, wie das Regime diese Unzufriedenheit wieder einfangen will“, sagte die Professorin. Zugleich sorgten sich viele Exil-Iraner, dass die Gewalt vonseiten des in die Defensive gedrängten Regimes noch zunehmen könnte.

Iran-Proteste ohne klare Identifikationsfigur der Opposition

Die Opposition im Land und auch außerhalb sei wenig geeint und organisiert, betonte Orthmann. Ein großes Problem bestehe darin, dass die Opposition keine Identifikationsfigur habe. Diese Lücke könnte nun durch den Sohn des ehemaligen Schahs, den in den USA lebenden Reza Pahlavi, geschlossen werden. Er habe sich über die sozialen Medien seit einigen Monaten als Oppositionsführer in Stellung gebracht. Auch im Iran finde Pahlavi zunehmend Unterstützer.

Viele Fragen blieben dabei allerdings offen, sagte Orthmann. So sei nicht klar, inwieweit Pahlavi als ehemaliger Monarchist wirklich demokratische Reformen unterstützen würde. Auch reiche es nicht aus, einfach eine Führung durch eine andere zu ersetzen. Für tiefgehende politische und gesellschaftliche Reformen müssten die jetzigen Strukturen, von denen unter anderem die Milizen profitierten, ebenfalls verändert werden.

Es sei zudem riskant, sich auf eine Identifikationsfigur zu verständigen, ohne deren Agenda genauer zu kennen. Auch der Führer der islamischen Revolution, Ajatollah Chomeini, sei 1979 als Hoffnungsträger gestartet.