Internet verdrängt „frische Luft“ – Mädchen zu wenig aktiv

Kinderärzte sind zunehmend besorgt über den Bewegungsmangel von Kindern und Jugendlichen. Besonders Heranwachsende erreichten mit zunehmendem Alter immer seltener die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Aktivitätsdauer von mindestens einer Stunde täglich, erklärte der Vorsitzende der Stiftung Kindergesundheit, Berthold Koletzko, mit Verweis auf aktuelle Zahlen der Stiftung am Mittwoch in München. „Mädchen bewegen sich dabei noch weniger als Jungen.“

Demnach können unter den Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren nur noch 7,5 Prozent der Mädchen und 16,0 Prozent der Jungen ausreichend Bewegung in ihren Alltag integrieren. „Dadurch steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass viele junge Menschen aufgrund ihres heutigen bewegungsarmen Lebens später ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie koronare Herzerkrankungen, Diabetes und Krebs tragen“, warnte Koletzko. Nicht zuletzt wirke sportliche Betätigung auch positiv auf die Stimmung und daher vorbeugend gegen die Entwicklung einer depressiven Symptomatik.

Die WHO empfiehlt allen heranwachsenden Mädchen und Jungen, sich jeden Tag mindestens 60 Minuten lang mit moderater bis hoher Intensität körperlich zu bewegen. Als Faustregel gilt: täglich mindestens eine Stunde im Freien toben oder körperlich so aktiv sein, dass sich das Herz-Kreislauf-System aktiviert und die Kinder außer Atem kommen und schwitzen.

Insbesondere für heranwachsende Mädchen fehlten leicht zugängliche Bewegungsanreize, so die Stiftung weiter. Das Internet habe die „frische Luft“ verdrängt. Die zunehmende Digitalisierung des Alltags führe zu einer geringeren körperlichen Aktivität, da viele alltäglichen Bedürfnisse digital erfüllt werden können, sagte der Mainzer Sportpädagoge Tim Bindel. „Zudem verbringen viele Jugendliche ihre Freizeit mit Medien, da dort verlockende Angebote auf Abruf verfügbar sind.“

Oft erschienen die digitalen Angebote Kindern und Jugendlichen deshalb attraktiver als analoge Freizeitaktivitäten wie etwa die Mitgliedschaft im Sportverein, der oft leistungsorientiert ausgerichtet sei.

Auch die Politik sei deshalb gefordert, „sportliche Anreize zu schaffen, die für Jugendliche attraktiv und leicht zugänglich sind und mit der digitalen Welt konkurrieren können“, so die Stiftung. Dazu gehöre etwa der Ausbau des städtischen Raums und die Schaffung von sogenannten Jugendspielplätzen.