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Interesse an NS-Gedenkstätten in NRW ungebrochen

Das Interesse an den NS-Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen bleibt hoch. Landesweit verzeichneten Einrichtungen im vergangenen Jahr steigende Besucherzahlen, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar ergab. Allerdings hinterlassen Besucherinnen und Besucher auch geschichtsrevisionistische oder antisemitische Kommentare in Gästebüchern. Ähnlich ist die Entwicklung auch bundesweit.

Das NS-Dokumentationszentrum in Köln mit Museum und Forschungsabteilung am Ort der einstigen lokalen Gestapo-Dienststelle zählte im vergangenen Jahr 95.539 Besucherinnen und Besucher, 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Forum Vogelsang IP, eine ehemalige NS-Ordensburg im Nationalpark Eifel bei Bonn, verzeichnete 29.000 Besucher, ein Plus von 1,7 gegenüber 2024. Auch die Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte im historischen Stadthaus der NRW-Landeshauptstadt wurde 2025 häufiger besucht: Es kamen rund 33.570 Gäste, ein Zuwachs von 6 Prozent.

Die Gästezahl der abseits der Großstädte liegenden Wewelsburg im westfälischen Büren, die in ihrer Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ beleuchtet, blieb 2025 mit 47.620 Besucherinnen und Besuchern auf dem Vorjahresniveau. „Wir merken, dass wir an unser Limit kommen, wenn es um die Gruppenbetreuungen geht“, sagte die Leiterin des Kreismuseums Wewelsburg, Kirsten John-Stucke, dem epd. Mehr als die gebuchten 780 Führungen zur Geschichte des einstigen SS-Schulungszentrums gäben Räumlichkeiten und Personal nicht her.

Im Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster, in der NS-Zeit Sitz der Ordnungspolizei, sank die Besucherzahl um 16 Prozent auf 16.700 Gäste. Das liege aber vor allem am Doppeljubiläum im Vorjahr, sagte Leiter Stefan Querl dem epd: „Die Villa ten Hompel feierte 2024 das 25-jährige Bestehen des Geschichtsortes und die 100-jährige Existenz des Hauses. Es gab daher mehrere sehr frequenzstarke Termine mit prominenten Gästen.“

Die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte in Porta Westfalica bei Minden, ein Altbergbau und Stollensystem aus den letzten Kriegsjahren, zog mehr als 8.000 Gäste an, ein Zuwachs von elf Prozent gegenüber 2024. Die kleine NS-Gedenkstätte Zellentrakt im Herforder Rathaus, einst Gefängnis von Kriminalpolizei und Gestapo, besuchten rund 3.200 Menschen – etwa gleich viele wie ein Jahr zuvor.

Vor allem die großen Gedenkstätten waren mit antisemitischen und israelfeindlichen Vorfällen konfrontiert. Das Dokumentationszentrum in Köln berichtete von 32 Vorfällen im Jahr 2025, wie im Vorjahr zumeist Kommentare in den Gästebüchern des Hauses. Es handle sich um „geschichtsrevisionistische und dezidiert antisemitische Einträge sowie weitere Äußerungen, die im spezifischen Kontext einer NS-Gedenkstätte als problematisch zu erachten sind“, hieß es.

Im Geschichtsort Villa ten Hompel sind Schmierereien im Gästebuch nach den Worten von Gedenkstättenleiter Querl an der Tagesordnung. Zur Prävention von Gewalt und Vandalismus würden Mitarbeitende gezielt geschult.

Auch bundesweit verzeichneten NS-Gedenkstätten im vergangenen Jahr zumeist konstante oder steigende Besuchszahlen. Mehrere Einrichtungen berichteten über eine Zunahme politisch motivierter Vorfälle. Das Spektrum reiche von E-Mails mit Todesdrohungen oder Hitlergrüßen bis zu rechtsextremen Schmierereien am Ehrenfriedhof in Nordhausen, erklärte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.