Kein Biogemüse, nur Sonderangebote: Eine alleinerziehende Mutter muss den Gürtel wegen gestiegener Lebensmittelpreise enger schnallen. Kann der “Deutschlandkorb” helfen?
Ein Pfund Butter für knapp vier Euro, eine Tafel Schokolade für über zwei Euro, 400 Gramm Biopaprika für mehr als fünf Euro: Lebensmittel sind teuer geworden. Nach einer Umfrage des Bundesverbandes Verbraucherzentrale geben 68 Prozent der Menschen hierzulande an, die allgemein gestiegenen Lebenshaltungskosten besonders beim Einkaufen zu spüren.
So geht es auch Vanessa, 29 Jahre alt und alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Sohnes. Sie ist im thüringischen Eichsfeld zu Hause – mehr möchte sie über ihre Identität nicht verraten. “Wenn man Kinder hat, achtet man besonders auf die Qualität von Lebensmitteln. Ich finde es bei den gestiegenen Preisen mittlerweile schwierig, sich ausgewogen und gesund zu ernähren”, sagt sie. Früher sei sie die klassische Bioeinkäuferin gewesen, jetzt sei das nicht mehr drin. Um Geld zu sparen, durchsuche sie regelmäßig Supermarktprospekte nach günstigen Angeboten.
Sie sorgt sich, dass es in Deutschland irgendwann so sei “wie in den USA – dass nur die ungesunden Lebensmittel günstig sind. Heidelbeeren kaufe ich zum Beispiel nur, wenn sie im Sonderangebot sind.” Grundsätzlich koche sie nach “Low Budget”, sagt die junge Frau, die nahezu in Vollzeit im Online-Marketing bei einer Krankenkasse tätig ist und nebenbei noch ein Fernstudium absolviert.
Seit 2020 sind die Lebensmittelpreise um mehr als 37 Prozent gestiegen. Die SPD hat unlängst einen Vorschlag gemacht, um gegenzusteuern: Ein “Deutschlandkorb”, gefüllt mit günstigen Grundnahrungsmitteln aus der Region, soll helfen. Vanessa findet den Vorschlag richtig – vor allem, weil er Signalwirkung habe. “Es regen sich immer viele Leute auf und sagen, dass die Politik unnahbar ist und für normale Bürger nichts dabei rumkommt. Diese Idee sagt doch zumindest: ‘Ihr werdet gesehen, wir wollen handeln.'”
Der Lebensmittelhandel dagegen kritisierte die Initiative und wies darauf hin, dass es schon genügend Sparangebote gebe – im Sonderangebot kostet das Pfund Butter oder die Tafel Schokolade jetzt manchmal nur noch einen Euro. Zugleich berichten auch die Tafeln schon seit längerem von einer angespannten Lage: Bei einem Viertel bundesweit gilt Aufnahmestopp, wie die Tafeln diese Woche der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mitteilten. Der “Deutschlandkorb” werde dieses Problem nicht lösen.
Vanessa sagt: “Ich wohne in einer kleineren Stadt in Ostdeutschland. Dadurch, dass viele Leute darauf achten, bekommt man vieles von den Angeboten am Montagnachmittag nicht mehr, weil es ausverkauft ist.” Ihre Eltern, in Ostdeutschland aufgewachsen, erinnere das an vergangene Zeiten. Sie sagten: “Das ist wie früher in der DDR: Man muss frühzeitig los, wenn man das Angebot noch bekommen will.”
Die Eltern betreiben eine Familienbäckerei; die gestiegenen Preise spürten sie dort auch, erzählt Vanessa. “Sie müssen gucken, welche Rohstoffe sie benutzen und mussten deshalb auch ihr Sortiment verkleinern.” Auch die Kundschaft mache das deutlich, wenn sie in den Laden komme. “Manche sagen ganz offen: ‘Das Brot ist mir zu teuer, da gehe ich lieber in den Discounter und hole mir da eins.'” Dies betreffe vor allem eher jüngere Leute: “Unser Brot kaufen vor allen Dingen noch Stammkunden, also die ältere Generation.”
In einen “Deutschlandkorb” gehören ihrer Meinung nach Grundnahrungsmittel wie Haferflocken, Kartoffeln, Nudeln und Reis – “die Basics eben, mit denen man sich dann was zaubern kann.” Beim Fleisch finde sie den hohen Preis gerechtfertigt – das Geld, was man durch einen “Deutschlandkorb” spare, könne man ja dann zum Beispiel dort investieren. “Das kann dann jeder entscheiden, was er sich zusätzlich gönnen möchte.”