Hochschule entwickelt Chatbot als Hilfe bei häuslicher Gewalt

Simone Emmert, Professorin für Familien-, Kinder- und Jugendhilferecht, forscht an der Technischen Hochschule Nürnberg zu häuslicher Gewalt. Wie die Hochschule am Freitag mitteilte, entwickelt sie mit Studierenden des Studiengangs Soziale Arbeit und weiteren Kollegen einen Chatbot für Betroffene. Dieser informiert Opfer von sexualisierter oder körperlicher Gewalt anonym über die vertrauliche Spurensicherung.

2024 wurden mindestens 265.942 Menschen in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt. In rund 80 Prozent der Fälle handelt es sich um Frauen, so die Mitteilung weiter. Jedoch zögerten viele, den eigenen Partner anzuzeigen - aus Scham oder aus Angst, das Sorgerecht für ihre Kinder zu verlieren. Traditionelle Rollenverteilungen und eine wirtschaftliche Abhängigkeit tragen laut Emmert häufig dazu bei, dass Frauen in gewalttätigen Partnerschaften bleiben. Werde die Entscheidung für eine Anzeige erst später getroffen, fehlten die notwendigen Beweise.

Seit 1. November übernehmen bayerische Krankenkassen die Kosten für die vertrauliche Spurensicherung in Krankenhäusern, Arztpraxen und medizinischen Versorgungszentren. Durch den Chatbot erfahren Betroffene, welche rechtsmedizinischen Untersuchungen anonym erfolgen können, um Beweise einer Gewalttat zu sichern, ohne, dass sie sofort Strafanzeige erstatten müssen. Der Chatbot existiere bereits in einer Rohfassung und werde derzeit am Institut für Innovation und Digitalisierung in Bamberg gehostet. Zukünftig könnte er beispielsweise über Kommunen, Krankenhäuser oder Frauenhäuser online zur Verfügung gestellt werden.

Vor allem aber müsse die Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt auf der politischen Tagesordnung priorisiert werden, sagte Emmert. Auch die Regelung des Sorgerechts bedürfe einer Anpassung: „Väter können in Deutschland das gemeinsame Sorgerecht und ein Umgangsrecht mit ihren Kindern haben, obwohl sie der Mutter gegenüber gewalttätig sind.“ Je besser Frauen informiert seien, desto höher sei auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich aus gewalttätigen Partnerschaften lösen und Strafanzeige erstatten. (3681/21.11.2025)

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