Das christliche Hilfswerk „Open Doors“ bezeichnet seinen jährlich erscheinenden Weltverfolgungsindex, der die Lage bedrängter Christen erfasst, als eines der methodisch am besten abgesicherten Instrumente seiner Art. Man sei vernetzt, nicht nur mit einzelnen Glaubensrichtungen, „sondern mit den einheimischen Kirchen, internationalen Partnern und allen Konfessionen“, sagte der Leiter von „Open Doors Deutschland“, Markus Rode, dem Evangelischen Pressedienst (epd).
„Wir haben Leute vor Ort, die kurz nach Massakern am Ort des Geschehens sind, recherchieren und dokumentieren“, fügte Rode hinzu. Zusätzlich arbeite man mit Forschungsgruppen zusammen – etwa mit Blick auf den afrikanischen Kontinent mit der „Observatory for Religious Freedom in Africa“ (ORFA, Beobachtungsstelle für Religionsfreiheit in Afrika) zusammen, die eigene Datensammlungen veröffentlicht. Die erhobenen Fälle seien „definitiv dokumentiert“, die Dunkelziffer jedoch höher.
Menschenrechtler würdigen zwar, dass es „Open Doors“ gelungen sei, auf die Situation verfolgter Christen hinzuweisen. Zugleich wurden immer wieder mangelnde Transparenz, unklare Gewichtungen und fehlende Nachvollziehbarkeit kritisiert.
Dazu sagte Rode: „Open Doors“ verstehe den Weltverfolgungsindex als Freiheitsindex, vergleichbar etwa mit dem „Pressefreiheitsindex“ von „Reporter ohne Grenzen“. Ein solcher Index könne Freiheitszustände nicht eindeutig messen, sondern müsse notwendigerweise mit Indikatoren, Gewichtungen und Schwellenwerten arbeiten. Ein erheblicher Teil der Daten stamme jedoch aus Primärquellen, also aus direkten Berichten und Netzwerken vor Ort.
Als überkonfessionelles Hilfswerk sei man extrem konservativ in den Schätzungen, „wenn wir denn überhaupt schätzen müssen“, sagte Rode. Das Internationale Institut für Religionsfreiheit prüfe jedes Jahr, ob die Erstellung des Weltverfolgungsindex nach den in der Methodik veröffentlichten Grundsätzen geschieht (Audit). Ein Index müsse mit Zahlen oder mit Ranglisten arbeiten, weil das Thema Religionsfreiheit – für Christen wie für andere Gruppen – sonst gar nicht erfasst werden könne: „Und ein Index enthält immer auch subjektive Werte, weil Freiheit oder Verfolgung nicht trennscharf definiert werden kann. Das ist dem UNHCR nicht gelungen, und das wird auch keinem anderen gelingen.“
Der Fokus von „Open Doors“ liege auf den Menschen und nicht auf Zahlen, betonte Rode: „Der Weltverfolgungsindex ist ein Sprachrohr und Hilferuf der Christen, die keine Stimme haben, weil sie aufgrund der Verfolgung oft im Untergrund sein müssen und deshalb ihre Namen nicht nennen.“ Dieser Hilferuf und dieses Anliegen dürften nicht in „irgendwelchen Zahlen und statistischen Diskussionen“ verhallen.