Hilfswerk: Hunger in Afghanistan in drei Jahren mehr als verdoppelt

Besonders Kinder müssen in dem von Taliban beherrschten Land leiden. Dass Frauen nicht mehr in Hilfsorganisationen arbeiten dürfen, hat ihre Lage verschlimmert.

Ein afghanischer Schüler hat in seiner Schule ein Essen bekommen
Ein afghanischer Schüler hat in seiner Schule ein Essen bekommenimago/UIG

In Afghanistan ist die Zahl der Hungernden deutlich gestiegen. Laut dem Hilfswerk Save the Children hat sich die Zahl der Menschen, die in dem Land unter extremem Hunger leiden, in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt – von 2,5 Millionen 2019 auf 6,6 Millionen 2022. Das Verbot für Frauen, bei nichtstaatlichen Organisationen zu arbeiten, verschlimmere die Lage weiter, weil Hilfswerke ihre Leistungen aussetzen mussten, betonte „Save the Children“.

„Immer mehr Kinder müssen arbeiten oder werden frühverheiratet, um das Überleben der Familie zu sichern“, erklärte die stellvertretende Länderdirektorin von Save the Children, Nora Hassanien. „Ohne unsere Kolleginnen ist es unmöglich, auf diese wachsende Not zu reagieren – vor allem, wenn es um Hilfe für Mädchen und Frauen geht.“ Die radikalislamischen Taliban haben Ende vergangenen Jahres Frauen die Arbeit bei Hilfsorganisationen verboten.

Warum der Hunger schlimmer wird

Grundlage für die Zahlen des Hilfswerks seien die Erhebungen der internationalen Initiative Integrated Food Security Phase Classification (IPC), die das Ausmaß und die Schwere von Unterernährung und Hunger bewertet. Betrachtet worden seien jene acht Länder, in denen die Stufen vier (akute Notsituation) und fünf (Hungersnot) gelten. In diesen Ländern sei die Zahl der Menschen, die unter extremem Hunger leiden, insgesamt um fast 57 Prozent gestiegen – von 16,1 Millionen 2019 auf 25,3 Millionen im vergangenen Jahr. Auf Afghanistan, wo der Zuwachs am größten war, folgten der Jemen, die Demokratische Republik Kongo, der Sudan und der Südsudan, Somalia und die Zentralafrikanische Republik.

Gründe für die Entwicklung seien unter anderem Konflikte, die Klimakrise, die Corona-Pandemie, steigende Preise und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in der Ukraine. Laut dem Welternährungsprogramm sind bis zu 60 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt. „Humanitäre Organisationen schlagen seit Monaten Alarm, doch die internationale Gemeinschaft handelt nicht“, kritisierte „Save the Children“.