Schutz vor Corona in Hamburg

Für Obdachlose öffneten sich Hotel-Türen

Drei Monate lang durften Obdachlose in Hotels übernachten. Das hat sie vor dem Virus geschützt und ihnen viele Chancen gebracht. Jetzt geht das Projekt zu Ende.

In zehn Hamburger Hotels durften Obdachlose übernachten (Symbolbild)

von Klaus Merhof

Hamburg. Ein positives Fazit der Hotelunterbringung von rund 170 Obdachlosen in Hamburg haben die beteiligten Hilfsorganisationen gezogen. Es sei gelungen, den Betroffenen nicht nur Schutz vor Corona zu geben, sondern ihnen vor allem Ruhe zu bieten, um neue Perspektiven zu gewinnen, sagte Hamburgs Diakoniechef Dirk Ahrens. Stephan Karrenbauer von „Hinz&Kunzt“ nannte das Projekt „das positivste Sozialexperiment meiner 25jährigen Geschichte als Straßensozialarbeiter“. Jetzt geht die knapp dreimonatige Unterbringung zu Ende.

Das Projekt war Anfang April durch eine Großspende von 300.000 Euro der Reemtsma-Cigarettenfabriken möglich geworden. Anfang Juni gab es einen Nachschlag von Reemtsma-Mitarbeitern von 25.000 Euro, den die Firma verdoppelte. Spenden kamen auch von der Karin und Walter Blüchert Gedächtnisstiftung und von der Diakoniestiftung Mitmenschlichkeit. Die Unterbringung der Obdachlosen in zehn Hotels wurde in einer trägerübergreifenden Zusammenarbeit der katholischen Hilfseinrichtung „Alimaus“, dem Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ und dem Diakonischen Werks Hamburg organisiert.

Wieder Pläne geschmiedet

„Das Projekt hat gezeigt, wie wichtig ein eigener Schutzraum für die Betroffenen ist“, sagte Kai Greve, Vorstandsvorsitzender der „Alimaus“. Die Menschen seien wieder in der Lage gewesen, an die Zukunft zu denken und Pläne zu schmieden. Fünf Betroffene erhielten eine neue Beschäftigung inklusive Sozialversicherung, sechs konnten in eine eigene Wohnung vermittelt werden.

Bei der Pressekonferenz: Stephan Karrenbauer , Dirk Ahrens und Kai Greve (v.l.) Foto: Klaus Merhof

„Viele von ihnen konnten zum ersten Mal wieder richtig Kraft tanken“, sagte Sozialarbeiter Karrenbauer. Es sei „immer wieder erstaunlich, wie schnell sich Wohnungslose stabilisieren und gesunden, sobald sie ein selbstbestimmtes Leben führen dürfen“, sagt er.

Laut Diakoniechef Ahrens hat das Projekt gezeigt, dass die Einzelunterbringung wohnungsloser Menschen funktioniert. Es habe keinerlei Schadensfälle gegeben und es seien keine Sicherheitsdienste zum Einsatz gekommen. Das Projekt sei weder kosten- noch personalintensiv gewesen, und es sei „gelungen dank guter sozialarbeiterischer Betreuung“.

Positive Effekte erhofft

Er hoffe sehr, dass diese drei Corona-Monate „nachhaltig-positive Aspekte“ haben für die Sozialpolitik in Hamburg. Nach wie vor benötige die Stadt dringend mehr bezahlbaren Wohnraum, auch für Obdach- und Wohnungslose. Das Hotel-Projekt habe „in eindrucksvoller Weise gezeigt“, dass die Versorgung von Menschen mit Wohnraum funktionieren kann – und welche positiven Effekte das hat, sagte Ahrens. (epd)

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