Mehrheit im Studium, Minderheit in Leitungsämtern: Die Gleichstellung von Frauen in der evangelischen Kirche ist laut einer aktuellen Auswertung ausbaufähig. In manchen Bereichen sind sie noch immer unterrepräsentiert.
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sieht Nachholbedarf bei der Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche. Der Anstieg des Frauenanteils in der mittleren hauptamtlichen Leitungsebene von 21 auf 31 Prozent über alle 20 Landeskirchen seit 2015 sei nicht zufriedenstellend, erklärte Bischöfin Kerstin Fehrs am Freitag in Hannover. Es zeige sich einmal mehr, "dass Fragen von Gleichstellung und Vielfalt stärker in den Fokus rücken müssen". Fehrs äußerte sich anlässlich der zweiten Auflage des Gleichstellungsatlas der EKD. Projektleiterin Kathrin Wahnschaffe-Waldhoff erklärte: "Wir sehen Fortschritte, manches Beharrungsvermögen und lokal auch einige Rückschritte."
Im geteilten Leitungsamt liege der Frauenanteil bei 48 Prozent. Das Instrument der Aufteilung entfaltet laut Wahnschaffe-Waldhoff Wirkung. Es sei allerdings wenig verbreitet. Im Ehrenamt zeigt sich den Angaben zufolge, dass weniger Frauen mitwirken, je höher die Hierarchieebene geht. Lediglich die Synoden als kirchliche Gremien seien hiervon ausgenommen.
Im Pfarrberuf gleicht sich das Geschlechterverhältnis zunehmend an. Der Frauenanteil unter Vikaren liege bei 52 Prozent, unter Theologiestudierenden bei 61. In der Berufsgruppe der Kirchenmusik seien Frauen hingegen deutlich unterrepräsentiert. Bei den A-Stellen in Vollzeit liege ihr Anteil bei 24 Prozent.
Der zweite Atlas zur Gleichstellung in der evangelischen Kirche in Deutschland behandelt unter anderem die Themen Kirchengemeinschaft und Ehrenamt, Leitungsämter sowie Kirche als Arbeitgeberin. Er ist laut EKD das Ergebnis einer Kooperation. Beteiligt waren das Studienzentrum der EKD für Genderfragen in der Kirche und Theologie und die Konferenz der Genderreferate und Gleichstellungsstellen in den Gliederkirchen der EKD.