Forscherin fordert bessere Verteilung von Geflüchteten auf Kommunen

Für den Bürgermeister im württembergischen Ostelsheim gibt es drei ganz zentrale Faktoren, wenn es darum geht, wie Kommunen Geflüchtete gut integrieren können: genügend Wohnraum, Sprachförderung und weniger Bürokratie. Integrationsarbeit sei eine durchaus lösbare Aufgabe unter den richtigen Rahmenbedingungen, sagte Ryyan Alshebl (Grüne) am Mittwoch bei den „Tagen für Migration“ des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg. Wenn Kommunen allerdings schon an der Grenze ihrer Belastbarkeit stünden, sei das Thema Migration und Integration eine zusätzliche Belastung.

Bei der Diskussionsrunde zum Thema „Kommunen unter Druck“ erklärte Yuliya Kosyakova, Leiterin des Forschungsbereiches Migration und Integration des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass sich regional sehr starke Unterschiede zeigen. Wie gut Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt eingebunden sind, hänge an Faktoren wie der Arbeitsmarktlage, dem Angebot von Sprachkursen, Wohnraum oder der lokalen Einstellungen gegenüber Migranten.

„Das Problem liegt daran, dass wir eine ineffiziente Verteilung haben“, sagte Kosyakova. Geflüchtete dürfen sich ihren Wohnort nicht selbst aussuchen, sondern werden anhand des sogenannten Königsteiner Schlüssels zugeteilt. Dabei werden die Bevölkerungszahlen berücksichtigt sowie das Steueraufkommen. „Menschen werden dadurch oft dort zugeteilt, wo es zwar Wohnraum gibt, aber keine Jobs, nämlich in strukturschwachen Regionen. Das macht Integration sehr schwierig“, erklärte die Forscherin. Sie plädierte dafür, in Zukunft mehr Faktoren zu berücksichtigen.

Ein Beispiel für eine gute Zusammenarbeit zwischen Landesregierung und Kommunen gab Dirk Gärtner, Direktor des Landesamts für Zuwanderung und Flüchtlinge in Schleswig-Holstein. Man habe ein regelmäßiges Austauschformat mit den Kommunen etabliert und gebe ihnen einen Vorlauf von vier Wochen, bevor neue Geflüchtete zugewiesen werden. Außerdem laufe ein Projekt mit der Universität Hildesheim, das auch die Verfügbarkeit kommunaler Angebote und Bedarfe bei der Verteilung berücksichtigen soll. (3535/12.11.2025)

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