Ein archäologisches Forschungsprojekt untersucht in Hagen die frühen Vorläufer des industriellen Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet. Auf dem Kaisberg, einem der Hagener Stadtberge, finden Ausgrabungen und Bohrungen statt, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Mittwoch mitteilte. Beteiligt sind Fachleute der LWL-Archäologie, des Deutschen Bergbau-Museums Bochum und des GeoParks Ruhrgebiet.
Schriftlichen Quellen sei zu entnehmen, dass bereits im Mittelalter ab dem 13. Jahrhundert Steinkohle im Raum des heutigen Ruhrgebiets abgebaut wurde, hieß es. Der Brennstoff sei zum Heizen, in Schmieden oder zum Salzsieden und beim Kalkbrennen genutzt worden. Trichterförmige Vertiefungen - sogenannte Pingen - und kleine Halden auf der Kuppe des Kaisberges wiesen auf einen oberflächennahen Bergbau hin.
„Wir können bereits verschiedene Zeitphasen mit unterschiedlichen Abbautechniken abgrenzen“, erläuterte Jennifer Garner vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum. Gefunden worden seien einfache Abgrabungen von Kohle in offenen Gruben, benachbart dazu kleine Schächte, die tiefer ins Flöz abgeteuft wurden, sowie schließlich größere Schächte, für deren Anlage bereits ein erheblicher technischer Aufwand nötig war.
Ziel des Pilotprojektes ist es den Angaben zufolge, erstmals umfassend archäologisch ein Pingenfeld im Ruhrgebiet systematisch zu untersuchen und so mehr darüber zu erfahren, wie die frühen Bergleute gearbeitet haben und wie aufwändig der frühe Steinkohlebergbau betrieben wurde. Die Ergebnisse und Erfahrungen der ersten Untersuchungen sollen in ein umfassenderes montanarchäologisches Projekt zu den Anfängen des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet einfließen.