Schauspielerinnen und Schauspieler können alles spielen - diese Überzeugung teilt Regisseur und Drehbuchautor Lars Becker nach eigenen Worten. Er vermisst allerdings die Auseinandersetzung mit dem "Aber".
Lars Becker (70), Regisseur und Drehbuchautor, sieht im Umgang mit Diversität noch Luft nach oben - sowohl in der Gesellschaft als auch in Film und Fernsehen. "Warum kann man eine Schauspielerin mit anderem Hintergrund nicht als ganz normale Figur besetzen? Die sich eben nicht legitimieren muss über ihre Herkunft, Religion, ihr Geschlecht", sagte Becker in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Es gehe ihm nicht darum, "ideologisch alles nach Herkunft" zu besetzen, betonte Becker. Aber: "Eine Spiegelung unserer Gesellschaft im Film kann nicht bedeuten, dass eine Produktion, die in München gedreht wird - bei einer Einwanderungsgesellschaft von fast 40 Prozent in der Stadt - mit keiner Person mit Migrationshintergrund besetzt wird. Oder wenn zwei serbische Clan-Chefs mit einem Italiener und einem Deutschen besetzt werden."
Auf diese Weise werde Diversität in Film und Fernsehen oft nur behauptet, kritisierte der Filmemacher. Zwar sei der Glaubenssatz, dass Schauspielerinnen und Schauspieler alles spielen könnten, grundsätzlich richtig. "Wir müssen allerdings auch das 'Aber' anerkennen. Man kann diesen Glaubenssatz nicht als Totschlagargument benutzen und damit alles legitimieren."
Inzwischen werde es eher akzeptiert, wenn er etwa frage: "Muss das eine Männerrolle sein? Können wir das nicht auch mit einer Frau erzählen?" Auch gesamtgesellschaftlich habe sich etwas verbessert, "aber nicht in der Tiefe", fügte Becker hinzu. Das Thema Diversität sei komplex, und es gelte, allen zuzuhören: "Diese Debatten haben etwas mit kultureller Selbstbestimmung zu tun." Dies müsse man hinnehmen und zugleich weiter reflektieren. "Im Moment ziehen auch noch politische Bedingungen am Horizont herauf, die die ganze Sache nicht leichter machen."
Am Montag ist Beckers neuester Krimi "Der Millionen-Raub" zur Prime-Time im ZDF zu sehen. Darin stehen fünf Frauen unterschiedlichster Herkunft im Mittelpunkt, die gemeinsam auf der Suche nach verschwundenen acht Millionen Euro aus einem Raubüberfall sind.