Fachkräftemangel: Handwerkskammer wirbt für Praktika

Anlässlich des zunehmenden Fachkräftemangels plädiert der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, Carl-Michael Vogt, dafür, junge Menschen frühzeitig über Praktika an Ausbildungsberufe heranzuführen. „Unsere Haltung als Eltern spielt eine große Rolle“, sagte er im Gespräch mit dem evangelischen Pressedienst (epd). Wichtig sei, dass Kinder Einblicke in Handwerksbetriebe bekämen. „Wir müssen eine Haltung entwickeln, dass das Glück junger Menschen nicht unbedingt in der Hochschule liegt.“

Ein Grund für die Knappheit an Fachkräften sei der demografische Wandel. Im Handwerk und in den infrastrukturellen Berufen seien rund 25 Prozent der Mitarbeiter über 55 Jahre alt. In den 1960er Jahren sind Vogt zufolge jedes Jahr rund 1,2 Millionen Kinder auf die Welt gekommen, 2025 waren es nur noch halb so viele, rund 660.000. Zugleich habe sich der Bildungsweg stark verändert. Früher hätten fünf Prozent eines Jahrgangs Abitur gemacht, inzwischen seien es rund 40 Prozent, sagte Vogt. „Und heute heißt Abitur auch oft: Du musst studieren.“

Zudem gebe es eine große Zahl junger Menschen bis 24 Jahren, die derzeit weder in Ausbildung noch in Arbeit sind. Mehr als 600.000 junge Erwachsene gehörten zu diesen sogenannten „NEETs“ (steht für: „Not in Education, Employment or Training“). „Die dürfen auch geweckt werden, um in Ausbildung zu landen.“

Eine gezielte Einwanderung von Fachkräften aus dem Ausland könne ebenso helfen, den Mangel abzufedern. Schätzungen gingen von 400.000 benötigten Zuwanderern pro Jahr aus. Vogt selbst hält jedoch eine geringere Zahl für ausreichend. Digitalisierung werde dazu beitragen, den Bedarf zu senken. Er rechnet mit rund 200.000 ausländischen Fachkräften jährlich.

„Offene Stellen ist nicht gleich Fachkräftemangel“, betonte Vogt. In Deutschland gebe es ein Potenzial von rund vier Millionen Arbeitslosen. „Die dürfen gerne aktiviert werden.“ Berufsbegleitende Weiterqualifizierung und eine höhere Produktivität durch Digitalisierung könnten seiner Einschätzung nach ebenfalls dazu beitragen, Engpässe zu verringern.

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