Expertin: Behinderung sollte als neutrales Merkmal gelten

Alina Buschmann, Schauspielerin und Beraterin für Inklusion und Antidiskriminierung, fordert eine neutralere Sicht auf Menschen mit Behinderung. "Das Leben von behinderten Menschen ist so individuell wie behinderte Menschen selbst", sagte sie in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Daher sollte Behinderung als "das neutrale Merkmal angesehen werden, das es ist".

Zusammen mit Luisa D'Aucace hat Buschmann kürzlich das Buch "Angry Cripples" veröffentlicht, in dem behinderte Menschen über ihre Erfahrungen sprechen. Die Autorin ist selbst seit einem Arbeitsunfall behindert. Dies werde in der Gesellschaft "leider immer noch als etwas Negatives wahrgenommen". Alle Menschen seien in einem System aufgewachsen, "das uns vermittelt, leistungsfähig sein zu müssen. Wenn Menschen diese Anforderungen erfüllen, dann ist das gut. Wenn Menschen behindert oder chronisch krank sind und gewisse Anforderungen nicht erfüllen können, ist das schlecht". Diese als Ableismus bezeichnete strukturelle Diskriminierung von Betroffenen sei "nicht einfach dasselbe wie Behindertenfeindlichkeit".

Bemerkbar mache sich dies unter anderem im Gesundheitssystem, wo Menschen mitunter nicht ausreichend versorgt würden, die nicht in bestimmte Vorstellungen von Körper und Fähigkeiten hineinpassten. Auch dürften nicht "immer wieder dieselben schädlichen Narrative" wiederholt werden, mahnte die Expertin. Und weiter: "Wenn wir über unsere Lebensrealität und Identität als behinderte Menschen sprechen, ist das an sich schon politisch und ein Akt des Widerstands."

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