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Experten: Schwierige Lage zwischen Trump und Kirche spitzt sich zu

Gott und die US-Politik: Donald Trump sieht sich von Gott bestätigt. Experten erklären, wo Regierungs- und Kirchenpolitik kollidieren – und sehen weitere Sprengkraft für die Kirche.

Ein Jahr nach dem Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump sehen Experten einen wachsenden Konflikt zwischen der katholischen Kirche und dem US-Präsidenten. Der Theologe und USA-Kenner Benjamin Dahlke bezeichnet im Interview mit dem kirchlichen Internetportal domradio.de am Dienstag Papst Leo XIV. von seiner Vorgehensweise her als “Anti-Trump”. Dennoch vertrete der Papst keine komplett konträren Ansichten. Allerdings stehe die US-Regierung mit Papst Leo in einem “untergründigen Dissens”, was die Migration angehe.

Auch bei der US-Bischofskonferenz gebe es in Migrationsfragen einen großen Konsens: “Das scheint mir unter allen Bischöfen klar zu sein, dass man humanitäre Standards einhalten muss, dass die rechtlichen Standards auf jeden Fall zu beachten sind”, sagte Dahlke. Er erkenne “erhebliche Differenzen zwischen der aktuellen Administration und der katholischen Kirche”, was den Einsatz der Migrationsagentur ICE innerhalb des Landes angehe.

Für den Vatikanexperten und früheren Vertrauten von Papst Franziskus, Austen Ivereigh, ist die Migrationspolitik entscheidend: Im Interview mit dem Internetportal katholisch.de sagte er am Mittwoch, die Erklärung der amerikanischen Bischöfe zur Einwanderungspolitik der Trump-Regierung sei ein “sehr wichtiger, signalhafter Moment” gewesen: “Es war das erste Mal seit zwölf Jahren, dass die tief gespaltene Konferenz zu einer umstrittenen politischen Frage mit einer Stimme sprach – angeregt von Papst Leo, der als Amerikaner besonders genau weiß, was gerade geschieht.”

Die Botschaft habe ein klares Zeichen gesetzt und deutlich gemacht, “dass die Regierung eine Grenze überschritten hat und dass Katholiken sich dem Geschehen nicht einfach abwenden können”, so Ivereigh. Papst Leo und die US-amerikanische Bischofskonferenz seien sich hierin einig.

Unterdessen kündigte die katholische Interessengemeinschaft “Catholics for Catholics” an, ICE-Direktor Tom Homan einen Preis mit “besonderem Segen” zu verleihen. Dazu erklärte Ivereigh, es handle sich bei “Catholics for Catholics” um eine “MAGA-Tarn-Organisation, die das Papsttum heftig kritisiert und sich im Haus Trumps in Florida trifft”.

Überdies gebe es bereits ein “MAGA-Christentum” – aus überwiegend evangelikalen Gruppen, “die Trump wie einen christlichen Kaiser betrachten, der per Gesetz und mit Gewalt eine ‘christliche Nation’ schaffen soll”. Ivereigh hält es auch für möglich, dass in Zukunft eine “MAGA-Kirche” entstehen könnte, in deren Zentrum eine Gruppe von Katholiken stehe, die mit Rom breche, weil Rom ihrer Meinung nach “woke” sei – und Trump zum Anführer erhebe. In einem Land der Religionsfreiheit klinge das weit hergeholt. “Doch in den Vereinigten Staaten unter Trump erleben wir immer mehr Dinge, die wir für unmöglich gehalten hätten”, betonte Ivereigh.

Theologe Dahlke sieht ein “enges Wechselverhältnis” zwischen nationaler Identität und christlicher Religion in den USA. Viele Katholikinnen und Katholiken wollten ein christliches Land sein – da gebe es erhebliche Schnittmengen. Die amerikanischen Katholiken und die amerikanische Kirche insgesamt müssten diskutieren, “inwieweit sie sich an diesem Konzept des christlichen Nationalismus beteiligen oder inwieweit sie dagegen Distanz markieren müssen”.

Klaus Prömpers, ehemaliger Korrespondent in den USA, erklärte laut Mitteilung des Bistums Münster am Dienstag im Münsteraner Franz Hitze Haus, dass sich die USA schon immer als außergewöhnliche Nation verstanden hätten – “ein wenig wie das Volk Israel.” Auf Betreiben der amerikanischen Heritage Foundation, einer nationalistisch-konservativen Denkfabrik, werde die Regierung und das politische System derzeit in Richtung Autoritarismus umgestaltet.

Die Organisation verfolge in ihrem “Project 2025” vier Hauptziele, so Prömpers. “Stärkung und Schutz der klassischen Familie als Kern der Gesellschaft, Abbau der staatlichen Verwaltung, Stärkung der nationalen Souveränität vor allem durch Grenzschutz und Eindämmung der Migration sowie Betonung der individuellen Freiheit.” Wesentliche Akteure des Projekts gehörten dem evangelikalen und rechtskatholischen Milieu an.

Prömpers erklärte dazu, obwohl sie in der Verfassung festgeschrieben sei, finde die Trennung von Staat und Kirche im Grunde nicht statt. Präsident Trump sei eigentlich kein religiöser Mensch, aber trotzdem überzeugt, eine Mission zu haben – die allerdings dollargeprägt sei.

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag hatte der US-Präsident erklärt: “Gott ist sehr stolz auf die Arbeit, die ich geleistet habe.” Viele christliche und jüdische Menschen seien durch ihn beschützt worden, die sonst getötet worden wären.