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Ex-Anwälte von Diktator Pinochet übernehmen Ministerposten in Chile

Der gewählte chilenische Präsident José Antonio Kast macht zwei ehemalige Anwälte des Diktators Augusto Pinochet zu Ministern. Der ultrarechte Politiker stellte sein Kabinett am Dienstagabend (Ortszeit) vor, wie der Radiosender Cooperativa berichtete. Verteidigungsminister soll demnach Fernando Barros werden, der Pinochet während seiner Inhaftierung in London im Jahr 1998 verteidigte. Der zukünftige Justizminister Fernando Rabat war im Zuge von Ermittlungen wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder für den 2006 verstorbenen Diktator tätig.

Kast bezeichnete sein Kabinett laut Cooperativa als eine „große Mannschaft in schwierigen Zeiten“, die Chile immer an erster Stelle sehe. Der 59-jährige Politiker, der als Verteidiger der von 1973 bis 1990 herrschenden Militärdiktatur gilt, hatte die Stichwahl ums Präsidentenamt Mitte Dezember für sich entschieden. Nach den chilenischen Sommerferien wird er am 11. März sein Amt antreten.

Das Ministerium für Frauen und Gendergleichstellung soll von Judith Marin, einer evangelikalen Abtreibungsgegnerin, übernommen werden. Sie wurde durch ihre Protestaktionen gegen das Recht auf Abtreibung bekannt. Die feministische Vereinigung Coordinadora 8M kritisierte das neue Kabinett scharf. Auf Instagram schrieb die Vereinigung: „Wir sind in Gefahr. Unser Leben darf nicht in der Hand von religiösen Fundamentalisten liegen“.

Kast löst die linksgerichtete Regierung des amtierenden Präsidenten Gabriel Boric ab. Im Wahlkampf hatte Kast Migration für steigende Kriminalität verantwortlich gemacht und versprochen, „das Land wieder zu ordnen“. Während der Herrschaft Pinochets wurden laut offiziellen Zahlen mehr als 3.000 Personen ermordet und über 28.000 Menschen gefoltert. Pinochet starb im Jahr 2006, ohne dass ihm in Chile jemals der Prozess gemacht wurde.