Ewig treu bleiben

Über Treue bis in den Tod schreibt Pastorin Konstanze Lange von der Nordseeinsel Spiekeroog.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Sei getreu bis an den Tod…“ aus Offenbarung 2, 8-11
Der Friedhof auf Spiekeroog. Unter dem hohen Kreuz Gedenktafeln für die Gefallenen. Aus fast jeder Familie hat einer als Soldat sein Leben gelassen. „Sei getreu bis in den Tod“ – diese Inschrift findet sich oft auf Kriegerdenkmälern. Was für eine unglückliche Verbindung! Wurden diese Worte doch von jemandem gesagt, der eben nicht mit Waffen siegen wollte, sondern durch Liebe. Und die Treue, von der die Rede ist, ist die Treue zu ihm: Christus. Keine Vaterlandstreue.

Ein Urlauber hat mir von seiner Zeit bei der Bundeswehr erzählt. Karriere als Leutnant habe er gemacht. Eine prägende Zeit für ihn. „Aus der Kirche bin ich schon lange ausgetreten. Damals gab es die Debatte um das Zitat von Tucholsky: Soldaten sind Mörder! Auch von manchen Kirchenleuten ist in dieses Horn geblasen worden. Das hat mich gekränkt. Denn viele verrichten bei der Bundeswehr treu ihren Dienst für den Frieden.“

Wir tauschten uns darüber aus, wie wir bis heute unter den Folgen von irregeleiteter Treue im Nationalsozialismus leiden. Alte Insulaner, erzählte ich, haben mir diese Zeit auf der Insel so geschildert: „Der verwandelte sich plötzlich in einen strammen Nazi. Vor der Inselkirche hat er mit Kumpels laut rumgeblökt, um uns beim Gottesdienst zu stören!“ Und irgendwann waren auch auf der Insel die Karten verteilt. Sei getreu bis in den Tod! Wie vielen Soldaten mag dieser Satz zugerufen worden sein? Ja, sie haben getötet und wurden ermordet.

Und heute? Meine Söhne haben Zivildienst geleistet. Auch eine wichtige Zeit für sie, in einer Senioreneinrichtung und bei schwerstbehinderten Jugendlichen. Ich schätze Menschen, die treu gegenüber ihrer Familie sind, ihren Freunden, ihrem beruflichen Auftrag, ihrem Gott.
Als die Worte der Offenbarung aufgeschrieben worden sind, weigerten sich Christen, dem Kaiser Treue zu schwören. Sie wurden zu politischen Hochverrätern. Aber sie blieben treu dabei: Christus ist unser Herr und sonst niemand. Selbst aufrichtig Ungläubige müssen heute zugeben: Jesus war ein Mensch, der bis zuletzt dem treu geblieben ist, was er gelebt hat.
Unsere Autorin
Konstanze Lange,
Pastorin auf Spiekeroog
Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.