Der Bundestag gedenkt erst am Mittwoch der Millionen Opfer des Holocausts, das Europaparlament am heutigen Holocaust-Gedenktag. Neben der Präsidentin wird sich eine Zeitzeugin an die Volksvertreter wenden.
Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages wird im Europaparlament die Auschwitz-Überlebende Tatiana Bucci sprechen. Mit einer Gedenkfeier am Dienstagmittag erinnert das Parlament in Brüssel an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee. Dort wurden schätzungsweise 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen ermordet. Insgesamt starben während des Zweiten Weltkrieges 1939 bis 1945 rund sechs Millionen Juden durch die Massenvernichtung der Nationalsozialisten. Die EU-Abgeordneten werden den Angaben zufolge mit einer Schweigeminute der Opfer gedenken. Auch eine Rede von Parlamentspräsidentin Roberta Metsola ist geplant.
Tatiana Bucci wurde 1938 in Fiume geboren, einer Stadt im damaligen Norditalien, die heute zu Kroatien gehört. 1944 verhafteten die Nationalsozialisten sie und ihre Familie und deportierten sie nach Auschwitz. Tatiana und ihre Schwester Andra gehören zu den jüngsten Kindern, die Auschwitz überlebten und sich an ihre Erfahrungen erinnern können, wie das Parlament im Vorhinein der Gedenkveranstaltung mitteilte. Nach der Befreiung wurden die Schwestern in ein Waisenhaus in England geschickt. Im Dezember 1946 wurden sie in Italien mit ihren Eltern wiedervereint. 1996 kehrten die Schwestern zum ersten Mal nach Auschwitz zurück. Tatiana Bucci lebt heute in Belgien.
Bereits am Montag rief EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dazu auf, die Lehren aus der Schoah weiterzugeben. “Holocaust-Verzerrungen werden benutzt, um uns zu spalten, Verbrechen zu relativieren und Antisemitismus anzuheizen”, warnte von der Leyen. “Nichts kann jemals rechtfertigen, eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Europas zu verzerren, zu verharmlosen oder zu instrumentalisieren.” Es sei Aufgabe aller, die Erinnerungen akkurat zu pflegen und ein Europa frei von Antisemitismus und Hass aufzubauen.