Er war ein Intellektueller und streitbarer Geist: Micha Brumlik. Der jüdische Erziehungswissenschaftler ist jetzt im Alter von 78 Jahren gestorben.
Der jüdische Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik ist tot. Er starb am Montag im Alter von 78 Jahren, wie das Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main am Dienstag auf seiner Internetseite mitteilte. Auch Brumliks Weggefährte Julius H. Schoeps, Gründungsdirektor des Moses-Mendelssohn-Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam, bestätigte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) den Tod. In einem Nachruf für die "Jüdische Allgemeine" schrieb er, Brumlik sei nach langer Krankheit gestorben.
Einen Namen machte sich Brumlik als Hochschullehrer, Grünen-Kommunalpolitiker und Autor. Brumlik engagierte sich im christlich-jüdischen Dialog und bekam für seine Verdienste auf diesem Gebiet im Jahr 2016 die Buber-Rosenzweig-Medaille.
In einem KNA-Interview zu seinem 75. Geburtstag sagte er zu dieser Auszeichnung: "Es ist eine große Ehre, mit diesen beiden Giganten des jüdischen Denkens, Martin Buber und Franz Rosenzweig, in einem Atemzug genannt zu werden."
In der Debatte über Erinnerungskultur sprach sich Brumlik für Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten aus - jedoch nur mit gründlicher Vor- und Nachbereitung für Schülerinnen und Schüler. In der Frage, wie die Erinnerung an die Schoah nach dem Tod von Zeitzeugen aussehen könnte, wandte er sich gegen Hologramme von Überlebenden und sprach von "digitalen Gespenstern".
Geboren wurde Brumlik am 4. November 1947 in der Schweiz als Sohn jüdischer Eltern, die in der Nazi-Zeit Deutschland verlassen mussten. Anfang der 1950er Jahre zog die Familie nach Frankfurt am Main. Nach dem Abitur ging Brumlik für zwei Jahre nach Israel. Er lehrte als Professor für Erziehungswissenschaft in Heidelberg und Frankfurt. Zuletzt lebte er in Berlin.