Erzbischof Gössl: AfD-Verbot denkbar, aber keine alleinige Lösung

Soll die Kirche sich aus der Politik heraushalten? Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl widerspricht. Für ihn gehört politisches Engagement zum Auftrag - auch, wenn es um die Debatte über ein AfD-Verbot geht.

Für den Bamberger Erzbischof Herwig Gössl ist ein AfD-Verbot grundsätzlich denkbar, aber nicht ausreichend. "Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Verbot - und dann haben wir mal wieder ein bisschen Ruhe", sagte er am Montagabend in Nürnberg. "So einfach ist es aber nicht, weil sich diese Unzufriedenheit dann neue Bahnen suchen wird." Extreme Gedanken blieben auch nach einem potenziellen Verbot für viele Menschen verfänglich, diese bekomme man damit nicht aus der Welt. Man müsse sich fragen, was Menschen dazu bringe, solch eine Partei zu wählen und andere Parteien abzustrafen.

Der bisweilen genannten Forderung, die Kirche solle sich aus der Politik heraushalten, widersprach der Erzbischof entschieden. Die Kirche werde umso politischer, je mehr sie sich auf ihr Kerngeschäft besinne. Denn dieses sei, die Botschaft zu verkünden, dass Gott Mensch geworden sei und damit auch die Probleme und Sorgen der Menschen angenommen habe. "Es geht nicht, ohne politisch zu sein." Gössl äußerte sich bei einer Podiumsdiskussion der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke Deutschland.

Dabei seien allerdings Predigten nicht der richtige Ort, um Positionen zu Parteien oder einzelnen Personen zu beziehen, führte er aus. In einer Diskussionsrunde könne das schon anders aussehen. Wo unterschiedliche politische Ansichten aufeinanderträfen, müsse jeder im persönlichen Umgang mit den anderen austarieren, an welchen Stellen rote Linien überschritten würden. Aus Sicht der Kirche sei dort eine Grenze erreicht, wo die Würde des Menschen als Person und soziales Wesen verletzt werde. Gössl plädierte dafür, aneinander festzuhalten und einander herauszufordern.

Das gelte auch für innerkirchliche Diskussionen, sagte der Erzbischof. Es gehe darum, mit Leuten zu sprechen und zu versuchen, ihre Positionen nachzuvollziehen, auch wenn man sie selbst nicht teile. Dadurch könne sich auch bei einem selbst etwas verändern, was Kompromisse ermögliche. Er warb für weniger Darstellungen von Extremen, da die Welt nicht nur schwarz und weiß sei. Der gesellschaftliche Diskurs neige dazu, in solche Extreme zu fallen. Dieses Auseinanderdriften sei die eigentliche Gefahr, da sie zu großer Verunsicherung bei vielen führe. Einfache Antworten und Slogans verfingen dann eher als ausgewogenere und kompliziertere Gedankengänge.

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