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Erinnerungsprojekt “Holo-Voices” hält Zeitzeugen lebendig

Ein neuer Gedenkort auf Zeche Zollverein macht den direkten Austausch mit Holocaust-Überlebenden durch Künstliche Intelligenz möglich. Bei dem Projekt „Holo-Voices“ könnten Besucherinnen und Besucher erfahren, was den Überlebenden passiert ist „und was wir heute daraus lernen können“, sagte die nordrhein-westfälische Kulturministerin Ina Brandes (CDU) bei der Eröffnung am Dienstag, dem Holocaust-Gedenktag, in Essen.

Viele der Holocaust-Überlebenden seien über 90 Jahre alt und würden ihre Geschichte nicht mehr lange erzählen können, erklärte Brandes. „Die Erfahrung und die Eindrücke einer persönlichen Begegnung mit Überlebenden des Holocaust sind unersetzlich“. Das Projekt gebe den Zeitzeugen „eine Stimme für die Ewigkeit“.

Die Holocaust-Überlebende Eva Weyl betonte, es sei wichtig, die Vergangenheit kennen, „um zu helfen, dass der Frieden bewahrt bleibt“. Sie rief dazu auf, gegen Intoleranz, Respektlosigkeit und Entwürdigung einzutreten. Die 90-Jährige ist Teil des Projekts „Holo-Voices“ und als Hologramm auf Zollverein zu sehen. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, bezeichnete das Projekt als „ein leuchtendes Zeichen für den Dialog und für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft“.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) betonte, das Projekt solle neue Wege der Begegnung eröffnen und insbesondere junge Menschen erreichen. Er war bei der Eröffnung nicht selbst vor Ort. Nordrhein-Westfalen stelle sich Antisemitismus entschieden entgegen, sagte er laut Mitteilung der Staatskanzlei. „Unsere Aufgabe und Verantwortung ist es, die Erinnerung an die Opfer und Überlebenden der Shoah auch nach mehr als 80 Jahren wachzuhalten.“

Das „Holo-Voices“ basiert auf Interviews mit jüdischen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Mithilfe digitaler Technik werden sie als dreidimensionales Hologramm fotorealistisch dargestellt. KI mache es möglich, den Holocaust-Überlebenden Fragen zu stellen, auf die passende Antworten aus Interviews gegeben werden, erklärte die Staatskanzlei. Diese wurden von Studierenden der Technischen Universität Dortmund geführt. Die Antworten der Holocaust-Überlebenden werden den Angaben zufolge nicht verfremdet, zusammengeführt, gekürzt oder ergänzt. Der Fragesteller bekomme immer die Original-Schilderung zu hören.

Neben den Hologrammen ist auch die Ausstellung „Frag nach!“ der Deutschen Nationalbibliothek Teil des Projekts. Darin geht es um das Leben der Überlebenden Inge Auerbacher und Kurt Salomon Maier. Die Ausstellung „Unter Tage – Unter Zwang“ werde zudem auf die Zwangsarbeit im Steinkohlenbergbau blicken. Sie wird vom Verein „Zweitzeugen“ kuratiert und soll in Kooperation mit dem Ruhr Museum entstehen.

Finanziert wurde das Projekt den Angaben zufolge vom NRW-Kulturministerium. Etwa 35 Prozent der Gesamtkosten von rund 3,2 Millionen Euro tragen zudem die RAG-Stiftung, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und die Brost-Stiftung. Projektträger ist die TU Dortmund.