Zentrum Kirchlicher Dienste in Rostock besteht zehn Jahre

Hier sind Ideen und Experimente gefragt

Vor zehn Jahren um die Jahreswende zogen die ersten Mitarbeitenden in das „Zentrum Kirchlicher Dienste“ (ZKD) am Alten Markt in Rostock ein. Leiterin Dorothe Struber spricht im Interview über die Arbeit vor Ort, den Standort und die Höhepunkte der vergangenen zehn Jahre.

Pastorin Dorothea Strube leitet das Zentrum Kirchlicher Dienste

von Marion Wulf-Nixdorf

Frau Strube, fühlen Sie sich wohl im ZKD?
Dorothea Strube: Auf jeden Fall. Ich bin hier gern. So schöne helle Räume, die Kirche nebenan. Das passt wunderbar.

Ist das ZKD ein Zentrum für Mecklenburgs Christen geworden?
Wir sind geografisch nicht so zentral gelegen, dass man hier auf jeden Fall irgendwann mal vorbeikommt und dass wir viele, für Kirchengemeinden durchaus hilfreiche Angebote vorhalten, hat sich leider noch nicht bis in alle Winkel des Kirchenkreises herumgesprochen. Dennoch würde ich sagen, der Name stimmt. Unsere letzten großen Projekte – der Oasentag für Kirchen­älteste im Oktober, die Baumpflanzaktion mit Jugendlichen im November oder auch die digitale Mitarbeitendentagung (MAT) im Januar waren ein großer Gewinn für den ganzen Kirchenkreis.
Zentrum bedeutet ja nicht, dass alle nach Rostock kommen müssen, die unsere Angebote wahrnehmen wollen. Eher sind wir ein Zentrum für Ideen, Experimente, Kreativität und Zusammenarbeit. Die praktische Anwendung findet sich dann überall im Land: in Sietow zum Beispiel oder Friedland oder Boizenburg. Ich behaupte mal, jede Kirchengemeinde kann bei uns etwas finden, was die kirchliche Arbeit vor Ort bereichern oder unterstützen kann und viele haben das inzwischen gemerkt.

War der Standort Rostock eine gute Entscheidung?
Aus meiner Sicht ja. Es gibt hier viele Kooperationsmöglichkeiten. Die Nordkirche zum Beispiel hat Standorte in Rostock für einige Dienste und Werke, mit denen wir zusammenarbeiten. Es gibt Kontakte zur Stadtmission, zur Universität, zu Kunst und Musik. Und auch die Seemannsmission, die für unseren nicht nur ländlichen, sondern auch maritimen Kirchenkreis wichtig ist, ist stärker in den Blick gekommen. Natürlich ist auch die Innenstadtgemeinde eine wichtige Partnerin. Aber in die schönen Räume am Alten Markt 19 kommen auch Leute, für die Kirche eher fremd ist und die hier eine ganz andere Art kirchlichen Lebens kennenlernen.

Viele Veranstaltungen mussten pandemiebedingt auch vom ZKD abgesagt werden in den vergangenen zwei Jahren. Konnten ZKD und Kirchengemeinden trotzdem zusammenbleiben?
Wie die Kirchengemeinden auch, haben wir in dieser Zeit gelernt, dass es noch ganz andere Formen der Kommunikation als den direkten Kontakt gibt. Seminare wurden online durchgeführt, Beratungen in Fusionsprozessen konnten weitergeführt werden. Ich denke, wir haben­ uns nicht aus den Augen verloren.

Das Zentrum Kirchlicher Dienste in Rostock, Am Alten Markt 19 Foto: Marion Wulf-Nixdorf

Geistliche Mitte für die Mitarbeitenden und auch Gäste sollten die Andachten jeden Donnerstag in der gegenüberliegenden Petrikirche bilden. Sind sie es?
Ja, das ist ein besonderer Schatz. Donnerstags sind die meisten Mitarbeitenden im Haus und kurz vor 12 Uhr erinnert uns ein Gong an das Mittagsgebet. Fast jede und jeder der Kollegen bereitet irgendwann im Jahr die Andacht vor. Das Mittagsgebet hat uns im Lockdown auch digital durchgetragen.

Was waren Höhepunkte in den vergangenen zehn Jahren Ihrer Arbeit?
Es gab in jedem Jahr in jedem Arbeitsbereich Highlights, die auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten waren. Einige haben sich bei mir stärker eingeprägt als andere. Ich denke zum Beispiel gern an die Kirchengemeinderatsmesse 2017 oder an eins der Jugendtreffen „Fette Weide“ in Tempzin oder die Vergabe des Ökumenischen Eine-Welt Förderpreises im Rostocker Rathaus. Aber da könnten wir alle aus dem ZKD mit leuchtenden Augen stundenlang erzählen.
Für mich als Leiterin des Hauses, sind vor allem die Beteiligungs- und Veränderungsprozesse spannend, die wir als Mitarbeitenden begleitet und selbst durchlaufen haben.
Da war zum Beispiel der Kirchenkreisprozess Stadt, Land, Kirche – Zukunft in Mecklenburg, in den sich etliche aus unserem Haus eingebracht haben, oder die Entwicklung von Arbeitsbereichen: zum Beispiel die sich munter entwickelnde Geschichtenwerkstatt, das Referat „Kirche stärkt Demokratie“ oder die Flüchtlingsarbeit. Gerade da sind es ja meistens keine spektakulären Ereignisse, sondern eine beharrliche, aufmerksame, kompetente und oft sehr anstrengende Arbeit mit Menschen, die gar nicht so sehr im Rampenlicht der Öffentlichkeit und auch nicht in dem unserer Kirchengemeinden stehen.

Das ZKD hat barrierefrei unten einen großen hellen Raum für Ausstellungen, auch Preisverleihungen und Abschiedsveranstaltungen konnten hier stattfinden. Aber meistens ist der Raum leer. Wie sind die Pläne?
Da empfehle ich einen Blick in unseren Raumnutzungsplan. Für die Galerie sind freie Zeiten nur noch schwer zu finden. Vor allem nutzt die Geschichtenwerkstatt mit ihren großen Kreativboxen den Raum für die Arbeit mit Schul- und Gemeindegruppen. Dazwischen tummeln sich regelmäßig die Tänzerinnen vom Tango-Projekt in Rostock – und unterschiedlichste Gruppen nutzen den großen Raum mit den Nebenräumen gern für Workshops und Veranstaltungen. Leider haben wir für öffentliche Ausstellungen kaum noch Kapazitäten.

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