Barbara Wetzel stellt in der Evangelischen Akademie Rostock

„Ein sehr leichtes Medium“

Bekannt ist Barbara Wetzel für ihre filigranen Holzskulpturen. Doch in der Evangelischen Akademie in Rostock zeigt die Steinmetzin und Bildhauerin auch neue Techniken.

Barbara Wetzel (re.) erläutert den Gästen der Vernissage ihre Arbeiten

von Marion Wulf-Nixdorf

Rostock. In der Familie von Barbara Wetzel in Schwerin war es in der Adventszeit üblich, Weihnachtsschmuck und die Krippe selbst zu gestalten. Das habe die junge Barbara „damals so geprägt und gepackt, dass sie mit 16 Jahren das erste Mal in einen – wie sie sagt – Arbeits-Flow kam“, erzählte Wiebke Juhl-Nielsen, Studienleiterin für Kultur an der Evangelischen Akademie der Nordkirche und kuratorische Leiterin der Ausstellung“, bei der Eröffnung der Ausstellung „Diesseits – Grafiken und Zeichnungen von Barbara Wetzel“ in den Räumen der Evangelischen Akademie in Rostock. Sie habe „sich Ton geschnappt und weitergearbeitet und ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Seitdem hat es sie nicht mehr losgelassen.“

Barbara Wetzel hat die künstlerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien zu ihrem Beruf gemacht. Sie hat Bauzeichnerin und Steinmetzin gelernt, weil sie in der DDR nicht studieren durfte, dann ab 1991 in Dresden an der Hochschule für Bildende Kunst studiert. Die heute in Katelbogen bei Bützow lebende Künstlerin arbeitet viel mit Stein und Holz, an vielen Orten begegnet man ihrer Kunst. In der Rostocker Petrikirche ist zurzeit eine große Figur von ihr zu sehen, sie hat den Innenraum der wieder aufgebauten Kirche in Zweedorf gestaltet, ebenso die Kirche in Siggelkow nach der umfassenden Sanierung.

Demokratisches Kunstgebiet

Die Technik des Holzschnittes, die in der aktuellen Ausstellung in Rostock zu sehen ist, kam erst später zu ihrem Repertoire hinzu. Barbara Wetzel sagt: „Als geschwindes Ausdrucksmittel, um auf Geschehen und Gefühlslagen reagieren zu können, kam der Holzschnitt zu meiner Arbeit dazu. Die Technik des Holzschnittes erlaubt mir, im engen Kontakt mit Menschen und Zeit hier zu sein und von meiner Kunst ganz gut zu leben. Die Druckgrafik ist eben ein demokratisches Kunstgebiet.“

Malen neu entdeckt

Für den engen Kontakt mit Menschen und ganz in der Zeit zu sein, ist der Holzschnitt „Diesseits“, der der Ausstellung den Namen gegeben hat, ein ausdruckstarkes Bild. Es entstand beim Betrachten eines Fotos, auf dem ihre Freundin durch einen Webrahmen guckt. Angeregt durch die Erinnerung an die Freundin, sollte ihr nächstes Werk eine Reminiszenz an diese verstorbene Frau werden. Sterblichkeit und der Tod sind schwere Themen, die die Künstlerin bewegen und mit denen sie sich immer wieder auseinandersetzt. Durch den Tod ihrer Freundin sei ihr noch mal klar geworden, wie sterblich wir sind und wie oft wir dieses Thema ausblenden, so Juhl-Nielsen.

Um aus der Arbeit des seriellen Holzschnittdrucks heraus zu kommen, hat Barbara Wetzel sich in letzter Zeit immer mehr anderen Techniken zugewandt. Seit ihrem Arbeitsaufenthalt in Japan hat sie die Vielseitigkeit und Ausdrucksstärke des Malens ganz neu entdeckt. „Es ist zum einen ein sehr leichtes Medium und zum anderen lässt sich mit Pinsel und Farbe sehr viel leichter in die Zeichnung eingehen, Veränderungen am Objekt sind leichter und schneller möglich“, so die Laudatorin. Auch Collagen fertigt Barbara Wetzel immer öfter. Zwei Beispiele dieser Mixed Media Technik sind die Bilder „Breathe“ Mixed Media und Stempel auf Japanpapier, 2021, und das großformatige Bild „Wände“ im Eingangsflur der Akademie.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren