Ein Ölbaum als Geschenk für Trump

Es scheint, als wollten beide Seiten das Treffen nüchtern halten. Franziskus nutzte dennoch die Gelegenheit, seinem Gast aus den USA eine Friedensbotschaft mitzugeben.

Im Mai 2017 empfängt Papst Franziskus Präsident Trump zu einer Audienz Foto: Osservatore Romano
Im Mai 2017 empfängt Papst Franziskus Präsident Trump zu einer Audienz Foto: Osservatore Romano

Vatikanstadt. Man könnte fast meinen, der US-Präsident hätte Angst vor dem Besuch im Vatikan. Mit einer gewaltigen Wagenkolonne rollt Donald Trump zum Papst. Seiner Panzerlimousine folgen Spezialfahrzeuge zur Abwehr von Raketenangriffen und Chemieattacken, ein mobiler OP und eine Kommunikationszentrale, die weit mehr kann als twittern.
Alles Standardprogramm – und zwar auch auf Seiten des Vatikans: Er empfängt Trump wie jeden anderen Staatsgast. Ein aufgeräumter Erzbischof Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses, heißt den Präsidenten im Damasus-Hof willkommen, geleitet ihn in den Apostolischen Palast. "Genau wie der Trump Tower in New York", will ein Journalist Gänswein haben sagen hören, als sich die Tür des Aufzugs schließt.
Im zweiten Stock erwartet den Präsidenten ein längerer Fußweg durch Renaissanceflure und Prunksäle. Schweizergardisten mit Hellebarde schreiten gravitätisch voran und hinterher. Die Langsamkeit hat Absicht. Der Gast soll staunen. Psychologische Kriegsführung auf Vatikanisch.

Anspannung bei der Begrüßung

Als Franziskus an der Tür seiner Privatbibliothek dem Präsidenten entgegentritt, scheinen beide etwas angespannt. Ein Händedruck, ein Blick in die Augen. Dann das erste Aufstellen für die Fotografen: Franziskus schaut zu Boden, Trump setzt ein Lächeln auf. Keiner lässt durchblicken, was er denkt.
"Es gibt immer Türen, die nicht ganz zu sind." Das hatte der Papst Mitte Mai geantwortet, als er auf das Treffen angesprochen wurde. Man müsse über Gemeinsamkeiten reden und "Schritt für Schritt vorangehen". Das ist die Jesuiten-Pädagogik von Franziskus: das Gute im Menschen stärken – und hoffen, dass es stärker wird als das Schlechte.
Es gibt Differenzen zwischen Franziskus und Trump, am augenfälligsten wohl bei den Themen Migration, Armut und Klimawandel. Trump, in der presbyterianischen Tradition beheimatet, sieht wirtschaftlichen Erfolg als Ausdruck gottgefälligen Lebens. Franziskus predigt einen Gott, der sich an die Seite der Letzten stellt. Der Papst hatte angekündigt, er wolle bei Trump nicht missionieren. "Er wird sagen, was er denkt, und ich werde sagen, was ich denke."

Umwelt-Enzyklika für Trump

Nach 29 Minuten ist der Austausch beendet. Trump stellt seine Delegation vor: Ehefrau Melania, Tochter Ivanka, Schwiegersohn Jared Kushner. Dann folgt die Präsentation der Geschenke. Trump hat für Franziskus eine Erstausgabe des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King dabei. "Ich denke, die werden Sie mögen", sagt er.
Franziskus revanchiert sich mit seinen Lehrschreiben, darunter die Umwelt-Enzyklika "Laudato si", und mit einer signierten Ausgabe seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2017. Darin geht es um Gewaltfreiheit als politische Strategie und um Abrüstung. Gerade vor ein paar Tagen hat Trump mit Saudi-Arabien einen Rüstungsdeal mit rund 110 Milliarden Dollar Umfang geschlossen.

"Herzliche Gespräche"

Ein Medaillon gibt es noch für Trump. Es zeigt auseinanderbrechende Hälften, die ein Ölbaum in der Mitte zusammenhält. "Ich hoffe, Sie sind dieser Ölbaum, um Frieden zu schaffen", sagt Franziskus, und Trump antwortet: "Frieden können wir gebrauchen." Schon an der Tür, fügt er an: "Ich werde nicht vergessen, was Sie gesagt haben." Und der Papst entgegnet auf Spanisch: "Buena suerte" – viel Glück.
Der Vatikan wird später mitteilen, Gegenstand des Besuchs seien Lebensschutz, Religions- und Gewissensfreiheit gewesen. Von "herzlichen Gesprächen" wird die Rede sein, von Zufriedenheit über die bilateralen Beziehungen und Hoffnung auf eine unbeschwerte Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche in den USA, etwa auch bei der Hilfe für Einwanderer.

Kleines Missverständnis

Das Thema Einwanderer: Es leuchtet bei der anschließenden Visite von Ivanka Trump bei der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio auf. Die Präsidententochter trifft sich dort mit weiblichen Opfern von Menschenhandel. Aber Sant’Egidio steht vor allem auch für den Einsatz für Flüchtlinge.
Eine zwanglos-komische Note bekam die Papstaudienz noch, als sich Franziskus bei der Präsidentengattin unter Anspielung auf deren Herkunft aus Ex-Jugoslawien nach dem slowenischen Nationalkuchen Potica erkundigte. "Was geben Sie ihm zu essen? Potica?", fragte er mit Blick auf ihren Mann. Melania Trump antwortete: "Pizza? – Yes." Hoffentlich war es das einzige Missverständnis. (KNA)