Ein Jahr danach: #OutInChurch zieht Bilanz

Im Januar 2022 gingen sie an die Öffentlichkeit: queere Mitarbeitende der katholischen Kirche. Jetzt spricht die Initiative von einem großen Erfolg, sieht sich aber lange nicht am Ziel.

Die Initiative hat noch viel Arbeit, sagt sie – auch im Erzbistum Köln mit dem Kölner Dom
Die Initiative hat noch viel Arbeit, sagt sie – auch im Erzbistum Köln mit dem Kölner Domimago/Ralph Peters

Ein Jahr nach ihrem Start zieht die Initiative #OutInChurch eine positive Zwischenbilanz. „Mit Blick auf das Empowerment von Personen würde ich sagen, haben wir einen großen Erfolg erzielt“, sagte Mitinitiator Jens Ehebrecht-Zumsande der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hamburg.

Die Initiative habe dazu beigetragen, dass sich queere Menschen als selbstverständlicher Teil der Kirche betrachteten und nicht mehr wegdrängen ließen, so der beim Erzbistum Hamburg angestellte Religionspädagoge. Inzwischen hätten sich dem lockeren Netzwerk 500 bis 600 Personen angeschlossen. Zum Jahrestag sei ein großes Treffen in Köln geplant, bei dem ein Verein gegründet werden solle.

Als queer geoutet

Im Rahmen der Initiative #OutInChurch hatten sich in einer am 24. Januar 2022 veröffentlichten Fernsehdokumentation und einer anschließenden Kampagne rund 125 Mitarbeitende und Mitglieder der katholischen Kirche öffentlich als queer geoutet, also etwa als homosexuell oder transgeschlechtlich. Sie verlangten Reformen.

Mit Blick auf eine von der Initiative aufgestellte Liste mit sieben konkreten Forderungen sagte Ehebrecht-Zumsande: „Wir haben einiges erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun.“ Der größte und sichtbarste Erfolg sei die Änderung des Arbeitsrechts der katholischen Kirche in Deutschland. Das sei für queere Menschen „ein ziemlicher Quantensprung“, weil die persönliche Lebensführung wie etwa das Eingehen einer gleichgeschlechtlichen Ehe für das Arbeitsverhältnis nun keine Rolle mehr spiele.

Laut Ehebrecht-Zumsande ist damit aber die „Queerfeindlichkeit in der Kirche“ noch nicht verschwunden. „Unsere Kernforderung, die dem Arbeitsrecht vorausgeht, ist der Abbau dieser Diskriminierung.“ Auch gebe es bislang weder eine Regelung für Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare noch sei eine Aufarbeitung der Schuldgeschichte erfolgt: „Es gibt zahlreiche Menschen, die aufgrund ihres Queerseins ihren Job bei der Kirche verloren haben – auch in der jüngeren Vergangenheit.“

Dauerhafte Struktur gefragt

Mit der Vereinsgründung wolle sich #OutInChurch nun nach einer aktivistischen Anfangsphase dauerhafte Strukturen geben, so der Mitinitiator weiter: „Zudem möchten wir in Zukunft noch stärker Ansprechpartner für Bistümer, Kirchengemeinden und Vereine sein und etwa Workshops und Fachberatung zum Thema Queersein in der Kirche anbieten.“