Einsichten – die christliche Kolumne

Ein Aufatmen

Über ein Seufzen, das Erleichterung bedeutet, schreibt Inga Roetz-Millon. Sie ist Pastorin in der Johannes-Kirchengemeinde Dömitz-Neukaliß in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „So nimmt sich auch der Geist unsrer Schwachheit an.“ aus Römer 8, 26-30

Über ein Seufzen, das Erleichterung bedeutet, schreibt Inga Roetz-Millon. Sie ist Pastorin in der Johannes-Kirchengemeinde Dömitz-Neukaliß in Mecklenburg-Vorpommern.Wenn ich mich schwach fühle, dann kommt das Seufzen ganz automatisch. Manchmal laut und theatralisch, manchmal auch völlig geräuschlos. Ein Innehalten, ein Versuch, mich zu fokussieren. Seufzen, das heißt für mich oft Mutlosigkeit, Ratlosigkeit, nicht zu wissen wohin mit mir und der Welt. Manchmal auch Verzweiflung. An der Welt, wie sie ist.

Und dann weiß ich in solchen Momenten gar nicht, was ich beten soll. Klar, ein Vaterunser geht immer. Da steckt ja alles Wichtige drin. Aber darüber hinaus? Wenn ich doch noch mehr sagen möchte, aber meine Gedanken zu unsortiert sind? Worum es eigentlich gerade geht. Dieser Zustand des Dazwischen. Nicht Fisch und nicht Fleisch. Wie ein Schluck Wasser, der in der Kurve hängt. Wie bestellt und nicht abgeholt.

Die Zweifel der Jünger

Genau das ist Exaudi. Genau das fühlen die Jünger. Mutlosigkeit, Ratlosigkeit, Zweifel. Jesus war weg, in den Himmel aufgefahren. Nicht mal richtig verabschiedet hat er sich. Und der Geist, den er versprochen hat, war noch nicht da. Der kam ja erst Pfingsten. Da waren die Jünger mit Sicherheit erst mal platt. Und wussten bestimmt auch nicht, was sie beten sollen. So, wie mir das auch manchmal geht. Manchmal, da hat man einfach keine Worte. Keine zusammenhängenden Gedanken. Manchmal ist da völlige Leere im Kopf. Oder das genaue Gegenteil, totales Chaos.

„Nicht schlimm“, meint Paulus. Denn dafür ist er ja da, der Geist Gottes. Um Worte zu finden, wenn wir keine haben. Um uns zu vertreten. Uns Mut zu machen, wenn wir uns schwach fühlen. Uns Hoffnung zu geben, wenn wir keine Hoffnung mehr haben. Der Geist wirkt in unserer Welt. Er ist wie der Wind in unseren Segeln. Die Kraft Gottes in der Welt, die uns Schwung und Antrieb gibt. Die uns immer wieder ermutigt, etwas anzufangen. Etwas zu wagen. Etwas Neues zu machen. Die Kraft, die uns durch die Phasen der Mutlosigkeit und der Ratlosigkeit trägt. Bis dann am Ende auch ein Seufzen steht. Aber ein anderes Seufzen. Eins, das Erleichterung und Aufatmen bedeutet.

Unsere Autorin
Inga Roetz-Millon ist Pastorin in der Johannes-Kirchengemeinde Dömitz-Neukaliß in Mecklenburg-Vorpommern.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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