Mustafa Keskin

Ehemaliger Göttinger Ditib-Vorsitzender wegen Volksverhetzung angeklagt

Die Vorwürfe beziehen sich auf Posts in sozialen Netzwerken. Keskin soll unter anderem israelische Soldaten als "jüdische Hunde" bezeichnet haben.

Die Ditib-Moschee von Göttingen

Göttingen. Die Göttinger Staatsanwaltschaft hat gegen langjährigen Göttinger Vorsitzenden des deutsch-islamischen Moscheeverbandes Ditib, Mustafa Keskin, Anklage erhoben. Ihm werde Volksverhetzung in vier Fällen sowie in einem Fall die Billigung von Straftaten zur Last gelegt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Buick, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Vorwurf der Volksverhetzung bezieht sich den Angaben der Behörde zufolge auf Posts in sozialen Netzwerken „zum Nachteil von Juden und Armeniern“. Im Fall der Billigung von Straftaten gehe es unter anderem um eine Montage, auf der Papst Franziskus und der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Agca abgebildet sind. Ali Agca hatte Papst Johannes Paul II. 1981 bei einem Attentat schwer verletzt. In dem Beitrag soll Keskin sinngemäß geäußert haben, weil Franziskus den Völkermord an den Armeniern als historische Realität anerkenne, müsse er sich nicht wundern, wenn ihm in den Kopf geschossen werde.

Verschwörungsmythen im Profilbild

Vorwürfe gegen Keskin hatte zu Jahresbeginn zunächst die sozialistische Jugendorganisation „Die Falken“ erhoben. So habe er im Internet israelische Soldaten etwa als „jüdische Hunde“ bezeichnet. Andere Bilder und Posts Keskins suggerierten, dass Juden und Israelis gezielt Kinder töten würden. Darüber hinaus habe Keskin wiederholt Erkennungszeichen der islamistischen Muslimbruderschaft verwendet.

Keskins WhatsApp-Profil habe ein Bild gezeigt, das Donald Trump und Joe Biden als „alte“ bzw. „neue“ Marionette des Investmentbankers Jacob Rothschild darstelle. Die Familie Rothschild fungiert in antisemitischen Verschwörungsmythen und Weltbildern seit langer Zeit als Platzhalter für „die Juden“, die über die Finanzmärkte die Regierungen und die Welt herrschten.

Ditib distanziert sich

Infolge der Vorwürfe war Keskin als Göttinger Ditib-Vorsitzender zurückgetreten. Sowohl der Ditib-Bundesverband als auch der niedersächsische Landesverband distanzierten sich von Keskins Äußerungen.

Als Göttinger Ditib-Vorsitzender war Keskin jahrelang im interreligiösen Dialog engagiert. Er beteiligte sich unter anderem am „Runden Tisch der Religionen Abrahams“. An diesem „Runden Tisch“ treffen sich seit 20 Jahren regelmäßig Vertreter von christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden in Göttingen zu Gesprächen und zur Planung gemeinsamer Aktionen.

Unter türkischer Kontrolle

2002 veröffentlichte der „Runde Tisch“ einen Appell gegen den drohenden Irak-Krieg. 2004 holte er ein schwer herzkrankes vierjähriges Kind aus Bethlehem nach Göttingen, wo es in der Universitätsklinik erfolgreich operiert wurde und anschließend geheilt nach Palästina zurückkehren konnte. 2018 gab es im Städtischen Museum ein gemeinsames Fest unter dem Motto „Bei Abraham zu Gast“.

Ditib ist die größte sunnitisch-islamische Organisation in Deutschland. Sie untersteht der Kontrolle des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei, das wiederum dem türkischen Präsidenten direkt unterstellt ist. Die an staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildeten Imame der Ditib werden für fünf Jahre nach Deutschland geschickt und sind de facto Beamte des türkischen Staates, von dem sie auch bezahlt werden. (epd)

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