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Dobrindt “erschüttert” nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter

Der Bundesinnenminister sieht eine “steigende Gewalt” gegen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und Mitarbeiter der Bahn. Auch deren Chefin Palla beklagt: “Die Hemmschwelle für Gewalt in unserer Gesellschaft sinkt.”

Entsetzen nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz – und Forderungen nach härteren Maßnahmen gegen die “steigende Gewalt” im öffentlichen Raum. Der 36-Jährige Zugbegleiter war nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Deutscher Bahn am Montag von einem Fahrgast ohne Fahrschein brutal angegriffen worden und erlag am Mittwoch seinen schweren Verletzungen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte in Berlin: “Ich bin bestürzt, erschüttert und tief betroffen vom Tod des Schaffners Serkan C.” Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder wollte laut einem Sprecher an der bundesweiten Schweigeminute an Bahnhöfen um 15.00 Uhr am Berliner Hauptbahnhof teilnehmen.

Die “steigende Gewalt” gegenüber Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes und anderen Dienstleistern wie den Mitarbeitern der Bahn brauche entschiedene Konsequenzen, betonte der Innenminister. Der strafrechtliche Schutz für Mitarbeiter bei Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn müsse “deutlich verschärft” werden. Die Mindeststrafen für Angriffe müssten deutlich erhöht werden, sagte Dobrindt.

Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Evelyn Palla, erklärte am Mittwoch auf der Plattform LinkedIn: “Wir alle bei der Deutschen Bahn verurteilen diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen aufs Schärfste.” Palla sprach von einem “schwarzen Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land”.

Die Bahn-Chefin beklagte: “Die Übergriffe auf unsere Mitarbeitenden nehmen, genauso wie auf Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten, leider seit Jahren zu. Die Hemmschwelle für Gewalt in unserer Gesellschaft sinkt.” Taten wie diese müssten “uns alle wachrütteln”.

Der Regionalexpress hatte laut Polizei den Bahnhof Landstuhl in Rheinland-Pfalz in Richtung Homburg im Saarland verlassen, als es zu der Gewalttat kam. Nach den bisherigen Ermittlungen kontrollierte der Zugbegleiter den 26-jährigen Reisenden, der keinen gültigen Fahrschein vorzeigte. Als der Mann deswegen des Zuges verwiesen werden sollte, griff er den Bediensteten unvermittelt an.

Laut Staatsanwaltschaft wurde der Zugbegleiter durch Faustschläge gegen den Kopf schwer verletzt und musste vor Ort reanimiert werden. Der Mann war vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht worden, wo er am frühen Mittwochmorgen starb.

Der 26-jährige Angreifer – zu dem die Ermittlungsbehörden bislang keine näheren Auskünfte erteilten – war vor Ort festgenommen worden. Das Amtsgericht Zweibrücken erließ bereits am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Zweibrücken Haftbefehl gegen den 26-jährigen Angreifer wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags. Der “Spiegel” schreibt unter Berufung auf eine Polizeisprecherin, bei dem mutmaßlichen Täter handele es sich um einen Griechen ohne Wohnsitz in Deutschland.

Palla hatte am Dienstag auf LinkedIn geschrieben, der Zugbegleiter habe “nur seinen Job gemacht”. Er habe als Kundenbetreuer im Nahverkehr bei DB Regio Fahrkarten kontrolliert. “Dabei wurde er auf der Fahrt zwischen Kaiserslautern und Saarbrücken von einem Fahrgast ohne Fahrkarte auf brutalste Weise angegriffen.”

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte eine “Sicherheitsoffensive” in Deutschland. “Die Gewalt auf deutschen Straßen und in Zügen nimmt derart zu, dass der Rechtsstaat anders und viel konsequenter handeln muss”, sagte der GdP-Vorsitzende Jochen Kopelke dem Nachrichtenportal t-online. Es brauche jetzt “höhere Strafen, mehr Polizei und schnelle Justiz, aber auch wirksame Veränderung dieser Gewalt in Deutschland”.

Der Fahrgastverband Pro Bahn brachte Schutzausrüstung für Zugpersonal ins Gespräch.”Leider nehmen Übergriffe auf das Zugpersonal seit einiger Zeit zu und machen die Arbeit der Bahnmitarbeiter gefährlicher und schwerer”, sagte der Pro-Bahn-Bundesvorsitzende Detlef Neuß der “Rheinischen Post” (Donnerstag). “Schutz davor könnte nur die Begleitung durch Bundespolizei oder Bahnschutz bieten, was jedoch bei der Menge der täglich verkehrenden Züge personell kaum umzusetzen ist”, sagte Neuß weiter und fügte hinzu: “Bodycams oder Schutzwesten können zumindest bedingt vor Übergriffen schützen.”