Es begann mit Radieschen. Was für eine Freude, dass aus diesen kleinen Samenkörnern tatsächlich etwas geworden ist.
Zum ersten Mal habe ich einen eigenen Garten und kann ernten, was ich gesät habe. Ernten kenne ich gut aus meiner Kindheit: Meine Eltern und Großeltern hatten alles mögliche im Garten. Allerlei Beeren, Äpfel-, Zwetschgen-, Birn- und Kirschbäume. Natürlich auch Gemüse: Bohnen, Erbsen, Tomaten, Karotten, Zwiebeln, Kartoffeln, Kürbis, Zucchini, Salat, Kohl. Als Kinder mussten wir bei der Ernte helfen und auch beim Verarbeiten. Da gab es Marmelade, Saft, Apfelmus und allerhand Eingemachtes und Eingefrorenes.
Gemüseanbau: Erstmal klein anfangen
Doch nie war mir bewusst, wieviel Arbeit darin steckt, bis all die Lebensmittel im Garten wachsen. Klar hat die Mutter mal gestöhnt, sie müsse Unkraut jäten oder der Vater auf Regen gehofft, damit er sich das Gießen sparen kann. Aber irgendwie war das so selbstverständlich.
Als Erwachsene hatte ich bislang keinen Garten. Obst und Gemüse habe ich gekauft. Das fand ich praktisch. So spart man sich eine Menge Arbeit. Allerdings habe ich immer öfter den Eindruck, vieles von dem gekauften Obst und Gemüse schmeckt fad.
Dann der eigene Garten. Da wurde mein Ehrgeiz geweckt. Kann ich, was meine Eltern konnten? Ich habe mir vorgenommen klein anzufangen, nur wenig anzubauen.
Jetzt habe ich selbst erlebt, wie man sich kümmern muss: Die Tomaten brauchen eine Stange, an der sie sich hochranken können. Außerdem gibt es da so einen Trick, man muss die kleinen Triebe abzwicken. Hm, hat nicht so ganz geklappt. Ich wusste oft nicht, was ich nun abknipsen muss. Aber die Tomaten haben mir das nicht übel genommen. Sie sind sehr gut gewachsen. Und aus den drei kleinen, recht armselig aussehenden Pflänzchen, die mir meine Mutter mitgegeben hat, sind große Tomatensträucher geworden. Mit unglaublich vielen Tomaten.
Die einen sind klein, die anderen groß und fleischig. Der dritte Stock hat kleine schwarz-rote Tomaten hervorgebracht.
Ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung, was ich da genau anpflanze. Aber alle drei Sorten schmecken hervorragend. Süß. Intensiv. Es ist eine Freude. In den letzten Wochen hatten wir so viele Tomaten, dass ich mir neue Rezepte suchen musste. Denn immer nur Tomatensalat, Tomatensoße oder Tomate-Mozzarella ist auf Dauer auch langweilig. Gut, dass mein Bruder einen Überhang an Zucchini hat. Da habe ich ein Zucchini-Tomaten-Gratin ausprobiert. Sehr lecker.
Mit den eigenen Tomaten und Radieschen waren wir sehr erfolgreich. Bei den Zwiebeln und den Karotten sieht es anders aus. Irgendwie sind die kleinen Zwiebelchen, die ich im Frühjahr gesteckt habe, kaum gewachsen. Klein und schrumpelig habe ich sie aus der Erde genommen. Das war nix.
Die Karotten sehen eigentlich recht vielversprechend aus. Viel Grün. Aber ich warte seit Wochen, dass der Teil unter dem Grün größer wird. Ein paar Mal habe ich schon eine herausgezogen. Aber die waren klein. Und nicht mal orange, sondern sehr hell, fast weiß. Dabei war ich mir sicher, ganz normale Karotten gesät zu haben. Nun habe ich mal in einem Ratgeber nachgelesen, was da zum Thema Mohrrüben steht. „Bei der Möhrenernte können auch Neulinge unter den Gärtnern nichts verkehrt machen“, heißt es da. Na, vielen Dank. Meine Erfahrung ist eine andere.
Dann sind da noch die Kürbisse. Die blühen immer noch. In anderen Gärten wird schon geerntet. Ich gieße noch brav die blühenden Pflanzen, fürchte aber, das wird nichts mehr.
Da konzentriere ich mich lieber wieder auf meine Tomaten. Davon werden wir in den nächsten Wochen immer wieder ernten können. Es ist toll, dass nicht alle auf einmal reif sind, sondern immer wieder welche nachwachsen. Manchmal stehe ich vor der Tomatenpracht und kann es gar nicht fassen, dass da so viel wächst und gedeiht. Ich danke Gott, dass ich diese Erfahrung machen darf. Es ist schon geradezu biblisch: Manche Saat geht auf, andere eben nicht.
Was die Tomaten angeht, freue ich mich schon sehr auf die nächste Saison.
