Jägerbataillon 91 im Auslandseinsatz

Die Militärseelsorge ist dabei

Ein Auslandseinsatz ist für alle Soldaten eine Herausforderung und auch für ihre Angehörigen – nicht nur in Zeiten von Corona. Die Militärseelsorge unterstützt sie vor Ort und zu Hause.

Soldaten des Jägerbataillons 91 aus Rotenburg/Wümme werden in den Auslandseinsatz im Irak verabschiedet

von Bernd Kuchmetzki

Rotenburg/Wümme. Gerade und aufrecht, in Reihen ausgerichtet stehen sie da, die Soldaten des Jägerbataillons 91 in Rotenburg/Wümme. Ältere und Einsatz­erfahrene sowie Junge voller Tatendrang. Verschmitzt mit einem leisen Lächeln sehen mich einige an, aber bei den meisten schaue ich in ernste, nachdenkliche Gesichter. Denn für sechs Monate sollen sie im Irak ihren Dienst tun. Sechs Monate weg von zu Hause, getrennt von der Familie, Frau und Kindern, der Freundin, weg von dem Vertrauten, den Freunden und Kameraden.

Diese Monate können auch für die Partnerin sehr lang werden, wenn sie den Alltag mit allen Sorgen und Nöten selbst stemmen muss. Da müssen die Kinder versorgt werden, der Haushalt bewältigt, der Garten instandgehalten. Vielleicht müssen noch die Eltern gepflegt werden. Sicherlich kann sich auch eine ängstliche Unruhe hinter den Gesichtern der angetretenen Soldaten verbergen. Nicht unbedingt die Angst vor dem Einsatz. Aber die Ungewissheit, ob man das alles „gewuppt“ bekommt, wie ein Soldat es ausdrückte, die ist da.

„Gut, dass Sie da sind!“

Dabei erinnere ich mich an Situationen aus meinen eigenen Auslandseinsätzen als Militärpfarrer. „Gut, dass Sie da sind“, hörte ich oft von Soldaten, aber auch von Zivilbediensteten, die im Einsatz waren. Denn bei ihrem Seelsorger können sie erzählen, was ihnen auf dem Herzen liegt. „Meine Freundin ist abgehauen, einfach zu Hause ausgezogen und hat alle Möbel mitgenommen. Unseren Kleinen hat sie auch mitgenommen. Wenn ich nach Hause komme, bin ich in einer leeren Wohnung. Und die muss ich noch abbezahlen“, erzählte mir ein Soldat nach einem gemütlichen Treffen im Kirchenzelt in Gao/Mali.

Der Hubertus-Anhänger der Rotenburger Militärseelsorge Foto: Stabsfeldwebel Carsten Kahle

Probleme gibt es zu Hause immer wieder. Ob die Partnerin mit der Abwesenheit ihres Liebsten nicht klarkommt oder die Schulleistungen der Kinder absacken. Oder die Mutter stirbt unerwartet, und der einzige Sohn ist im Auslandseinsatz. Die Todesnachricht muss ihm im Wüstenlager mitgeteilt werden, die Trauer, die Hilflosigkeit wird mitgetragen, von den Kameraden, besonders aber auch von seinem Seelsorger. Und dann wird organisiert, dass der Soldat irgendwie nach Hause kommt, damit er bei der Beerdigung dabeisein kann.

Wie im Gefängnis

Im Einsatz selbst kann der Soldat unterschiedlichen Situationen ausgesetzt sein: anderes Land, andere Sprache, anderes Klima, andere Kultur und Sitten, andere Gerüche, andere Werte und Lebenseinstellungen, kaum noch Privatsphäre und Enge. Und wenn man ein Lager nicht verlassen darf, kommt man sich vor wie „im offenen Vollzug“, wie im Gefängnis. Da bietet die Militärseelsorge mit ihren Angeboten, mit ihrer Betreuung und mit ihren Gottesdiensten ein Stück Heimat.

Was mag den Soldaten, die nun in Rotenburg in Reih und Glied stehen und in den Auslandseinsatz verabschiedet werden sollen, durch den Kopf gehen? Jeder mag seinen eigenen Gedanken nachhängen. Wir, mein katholischer Kollege und ich, wollen unsere Soldaten in bewährter ökumenischer Verbundenheit mit Gottes Segen in den Einsatz schicken. Sie sollen wissen, dass wir Seelsorger als „Kirche unter den Soldaten“ für sie da sind. Im Einsatz, aber auch zu Hause. Denn die Militärseelsorge ist dabei, wenn sich die Bundeswehr mit ihren Betreuungseinrichtungen um die Familien der Soldaten, die im Auslandseinsatz sind, kümmert.

Gut vernetzt

Militärseelsorger sind auch für die Angehörigen da und können unterstützen. Und wir sind gut vernetzt. Über die einzelnen Standorte bis in die Auslandseinsätze hinein. Darüber hinaus auch in die Gemeinden, in denen die Soldatenfamilien leben. Das ist auch notwendig, denn so mancher Schicksalsschlag einer Familie kann in enger Zusammen­arbeit zwischen Militärseelsorge und Zivilgemeinde seelsorgerlich begleitet werden.

Mit einem kleinen Kettenanhänger, dem neuen „Hubertuscoin“ der Rotenburger Militärseelsorge, haben wir unsere Soldaten verabschiedet. Er ist den Soldaten des Jägerbataillons 91 wichtig geworden. Die Soldaten hängen sich dieses Medaillon mit ihrer Erkennungsmarke in der Regel um und werden daran erinnert, dass „da oben“ einer ist, der auf sie aufpasst, und dass da Menschen zu Hause sind, die an sie denken. Dabei werden sie sich an die Segensworte ihres Militärpfarrers erinnern: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen Deinen Wegen Tag und Nacht“.

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