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Die meisten Israelis wollen religiöse Wehrdienstverweigerer bestrafen

Der Dienst an der Waffe ist in Israel seit Jahren ein Zankapfel. Die breite Öffentlichkeit verliert langsam die Geduld mit strengreligiösen Verweigerern – und befürwortet laut einer Umfrage harte Sanktionen.

Wenn strengreligiöse Männer in Israel den Dienst in der Armee verweigern, soll das Konsequenzen haben. Dieser Aussage stimmen laut einem Bericht der Zeitung “Times of Israel” (Montag) 85 Prozent der Befragten zu, die selbst nicht strengreligiös – als haredisch – sind. Maßnahmen könnten demnach der Entzug von Sozialleistungen sein. Die Zahlen hatte das Israel Democracy Institute in Jerusalem erhoben.

Vor allem säkulare Israelis (98,5 Prozent) befürworten Strafmaßnahmen. Unter orthodoxen Juden sind es noch 65 Prozent. Die Zustimmung liegt dabei im rechten und rechtsnationalen Wählerlager bei rund 70 bis 75 Prozent, während sie im Lager der Links- und Mitte-Links-Wählenden bis zu 100 Prozent erreicht.

Folgende Sanktionen werden demnach befürwortet: Entzug des Wahlrechts (61,5 Prozent), Entzug des Führerscheins (65 Prozent), finanzielle Strafen (71 Prozent) sowie das Hindern an Auslandsreisen (73 Prozent). Die Umfrage wurde laut Bericht Mitte Juli unter 502 Teilnehmern durchgeführt.

Mitte Juli hatten zwei ultraorthodoxe Parteien im Streit um die Wehrpflicht für Haredim – wie sich strengreligiöse Männer bezeichnen – ihren Austritt aus der Regierungskoalition erklärt. Zuletzt hatte das oberste Gericht geurteilt, dass es für eine allgemeine Wehrpflichtbefreiung für Haredim keine Rechtsgrundlage gebe. Insgesamt 67.000 Haredim gelten als wehrdienstfähig. Rund 10.000 von ihnen erhielten nach Armeeangaben seit Sommer 2024 Musterungsbescheide. Weniger als zwei Prozent von ihnen meldeten sich zum Dienst.