Die Landwirtschaft im Blick

„Unser täglich Brot“ – unter diesem Titel soll im kommenden Jahr ein Fahrrad-Pilgerweg ausgeschildert werden. Die Strecke vorbei an Wiesen führen – geistige Texte inklusive.

Fahrrad von hinten auf einem Feldweg
Fahrrad von hinten auf einem Feldweg

Suderburg. Wie sie auf die Idee gekommen, weiß sie selbst nicht mehr so genau. „Vielleicht beim Radfahren durch die Felder“, sagt Christine Schröder nach einigem Nachdenken. Aber letztlich sei das auch nicht so wichtig – wichtiger ist der Fundraiserin, dass es losgeht mit einem Fahrrad-Pilgerweg im Kirchenkreis Uelzen. Die Planungen sind in vollem Gange, im kommenden Jahr will ein Arbeitskreis um die Landwirtin Schröder die Strecke unter dem Motto „Unser täglich Brot“ ausgeschildert haben. „Das Thema ist vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise wirklich brennend aktuell“, betont die Initiatorin. Ziel sei es, „Dankbarkeit und Wertschätzung für Lebensmittel, und die Arbeit der Menschen, die sie erzeugen“ zu erreichen.

Die Idee: Entlang des Pilgerwegs sollen an landwirtschaftlichen Flächen mit verschiedenen Kulturen Schilder aufgestellt werden. Darauf werden einerseits Informationen darüber zu lesen sein, was Bauern hier aus welchem Grund tun, um Lebensmittel zu erzeugen. Schließlich stehe die Landwirtschaft vor der großen Herausforderung, für die stets wachsende Weltbevölkerung noch mehr Lebensmittel zu erzeugen – und das Wissen darüber sei vielfach nicht vorhanden.

Zu Unrecht am Pranger

„Die Landwirtschaft wird nach meinem Empfinden immer wieder in den Medien zu Unrecht als Umweltsünder an den Pranger gestellt“, sagt Schröder. Andererseits dürfe natürlich ein geistlich-besinnlicher Text über die Dankbarkeit für Gottes Schöpfung auf der Tafel nicht fehlen, schließlich gelte: „Ohne Gottes Segen wird das hier nix“, formuliert sie.

Vorbei an Wiesen führt der Pilgerweg Foto: Pixabay
Vorbei an Wiesen führt der Pilgerweg Foto: Pixabay

 

Der genaue Routenverlauf soll im Herbst stehen. Geplant ist ein Pilgerweg vom Arboretum in Melzingen bis zur Kirche in Suderburg – das sind etwa 17,5 Kilometer. Die Strecke wird hauptsächlich auf Wirtschaftswegen vorbei an verschiedensten landwirtschaftlichen Flächen führen. Die Besinnungstafeln sollen nach Worten Schröders in Zusammenarbeit mit den Landwirten entsprechend der Fruchtfolge immer aktuell zu den dort angebauten Früchten ausgetauscht werden.

Gemeinsam will man so die Verbraucher ansprechen, denn vielen Menschen geht so langsam der Bezug dazu verloren, woher ihre Lebensmittel eigentlich kommen. „Es gibt in den großen Städten genug Menschen, die nicht einmal mehr wissen, dass Kartoffeln unter der Erde wachsen oder dass Pommes aus Kartoffeln gemacht werden“, stellt die Fundraiserin und Landwirtin immer wieder fest.

Landwirte im Ehrenamt

Dabei ist die Verbindung zwischen Kirche und Landwirtschaft nach ihren Beobachtungen im ländlichen Raum wie dem Kirchenkreis Uelzen noch eher gegeben als in der Stadt. Das habe seine Gründe: „In sehr vielen Kirchenvorständen sind Landwirte oder Landwirtinnen vertreten, denn aus meiner Erfahrung sind es in den Dörfern historisch gewachsen doch sehr häufig die Landwirte, die sich der Verantwortung im Ehrenamt stellen.“

Gleichzeitig beobachte sie, dass viele Menschen die konventionell wirtschaftenden Bauern pauschal verurteilen – „was sie bei den extrem strengen Richtlinien nicht sind“, betont Christine Schröder. „Die intensive und hochqualifizierte Landwirtschaft in unserer dafür klimatisch prädestinierten Region sorgt auch dafür, dass die Menschen auf dieser Erde genug zu essen haben. Das muss, meine ich, auch das Ziel von uns Christenmenschen sein.“

Viele Lebensmittel werden weggeworfen

Und da schließe sich der Bogen zum Ukrainekrieg: „Wenn die Kornkammer Europas, die Ukraine, nicht mehr liefern kann, werden wir hier zunächst nicht hungern, wohl aber die Menschen in Afrika und Indien. Das kann Kirche nicht wollen oder gutheißen.“

Zu diesem Bewusstsein will der Pilgerweg beitragen, auch angesichts der Lebensmittelverschwendung. Immerhin werden etwa 30 Prozent aller erzeugten Lebensmittel in Deutschland weggeworfen, der durchschnittliche Haushalt wendet aber nur etwa 10 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel auf. „Vor diesem Hintergrund wünschte mir, dass hier das Bewusstsein und die Dankbarkeit für das „satt werden“ mal wieder etwas geschärft wird.“